Sprung ins kalte Wasser.

Ist Euch schon einmal aufgefallen, wie oft wir uns immer wieder auf derselben Klippe im Leben befinden, kurz vor dem Sprung in einen neuen Abschnitt, eine neue Ära oder gar ein neues Leben?
Eben noch sind wir im grauen Alltag des Lebens umher getümpelt, unzufrieden mit dem was wir haben und sehnsüchtig auf das hoffend, was wir nicht haben. Wir wünschen uns mehr als alles andere auf der Welt, dass alles anders wäre. Wir erträumen uns eine Welt, in der wir tanzend und singend die Welt erkunden und vor Glück strahlen. Träume sind schön. Aber auch gefährlich. Denn manchmal werden sie wahr. Und oft realisieren wir erst genau in diesem besagten Moment, in welche Misere wir uns hinein katapultiert haben. Es wird uns bewusst, dass wir unserem Traum unglaublich nahe sind und das Leben uns auf mysteriöse Weise mit den richtigen Menschen zusammengeführt hat, uns an die richtigen Orte gebracht und uns die nötigen Entscheidungen hat treffen lassen. Und wir haben sie alle getroffen, ohne recht zu wissen was wir tun. In der unbewussten, etwas diffusen Sicherheit, dass das alles schon gut ist so und dass wir ja unsere Träume leben möchten.

Und nun stehen wir da. Auf der unendlich hohen Klippe. Und wir verfluchen uns dafür. Unsere Füsse schmerzen auf dem kühlen steinigen Grund und von Zeit zu Zeit bröckelt unter einem unserer Zehen ein winziges Stücklein Fels weg. Und da überrollt es uns zum erstenmal bei vollkommenen Bewusstsein: Das Ausmass der Situation, die wir uns geschaffen haben. Nein, es weht uns eher in Form eines kalten Meereswindes (meine Klippe befindet sich wohl irgendwo an einer rauhen Küste) rücksichtslos um die Ohren. Es haut uns um und wir fühlen uns gänzlich überrumpelt. Wir stehen da, irgendwie gelähmt. Kein Wunder, denn zwischen uns und dem Abgrund befinden sich in der Horizontale nur eine Haaresbreite und in der Vertikale mehrere hundert Meter. Oder sind es mehr? Gewiss sind es mehr.

Und an diesem Punkt erinnern wir uns, dass hinter uns ja bereits eine Welt existiert. Wir drehen uns um und sehen das, was bisher war. Unser altes Leben. Da steht es und sieht uns mit trauriger Miene an. Es steigen uns Tränen in die Augen und wir wollen sofort nur noch zurück zum Alten, das uns doch so vertraut ist und uns mit einer sanften warmen Stimme zu sich ruft. Und das wollen wir, obwohl wir uns vorsichtshalber – als ob wir geahnt hätten, dass wir schwach würden – einen Argumentationskatalog angelegt haben, die Argumente sorgfältig alphabetisch geordnet darin verpackt, der uns vor einem Rückschritt abhalten soll. Aber das Alte war ja gut, weshalb sollen wir uns aus unserer „comfort zone“ in das Ungewisse des Neuen stürzen? „Schlag unter „u“ wie Unzufriedenheit nach und ruf sie dir wieder ins Gedächtnis, du Idiot. Willst du das wieder? Sind da deine Träume versteckt? Schlägt da dein Herz?“ So die Reaktion unseres treuen Argumentationfreundes. Wir kämpfen eine Weile mit uns selbst und sehen keinen anderen Weg, als uns zu der letzten Entscheidung zu zwingen. Alt oder neu.
Und plötzlich wird uns bewusst, dass sie doch schon längst getroffen ist! Würden wir sonst genau jetzt und genau hier auf dieser Klippe stehen?

Und dann kommt die Zuversicht, die den Wind des Ausmaßes abflauen lässt. Der Mut und der Tatendrang, die uns gemeinsam an Armen und Beinen packen und uns schwungvoll über die Klippe werfen. Und das ziemlich zackig und ohne zu fragen. Das Vertrauen, das uns das Fangnetz aufspannt, wann immer wir es brauchen. Die Neugier, die uns ein Lachen auf das Gesicht zaubert.

Und schlussendlich landen wir unsanft im eisigen Wasser und meinen zu sterben. Bis wir jedoch merken, dass wir durchaus schwimmen können und sich plötzlich ein weites Meer an Möglichkeiten eröffnet, das uns sicher in seinen Armen hält. Etwas wacklig noch beginnen wir zu plantschen. Und wir lachen herzhaft über das Leben, über uns und unsere Gedanken. Und schon sind wir mitten in einem neuen Abenteuer.

Jaja. Bis sich die nächste Klippe zeigt. ;)

Ich? Ich bin gesprungen.

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2 Kommentare zu „Sprung ins kalte Wasser.

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