Zürich, die Velostadt.

Zürich, die Velostadt.

Meine Gordula, ein unauffälliges uraltes Rennvelo aus dem letzten Jahrtausend mit zerkratztem Silberrahmen und allerhöchstens zehn Gängen, hatte ich bei Einzug in Zürich im Innenhof geparkt und da sollte sie erst einmal bleiben. Vielleicht benötigen Velos ja auch eine gewisse Angewöhnungszeit in einer neuen Stadt. Sie wurde dann jedoch ziemlich schnell in das kalte Wasser der Züricher Strassen geschmissen, als meine Mitbewohnerin einen Drahtesel brauchte um von A nach B zu gelangen. Ein Abenteuer, wie sie berichtete.

Zürich, die Velostadt. Das Amsterdam der Schweiz. Überall stehen sie, eines älter als das andere, im ständigen Wettkampf der Unauffälligkeit. Meist in Gruppen. Worüber die sich wohl unterhalten? Sie übertrumpfen sich gegenseitig mit dicken Schlössern, die fast grösser als sie selbst sind. Manchen fehlt der Sattel, andern ein Rad. Eines sieht aus, als sei es sein Leben lang nie losgekettet worden. An Regentagen findet man ihre Sättel in bunte Regenmäntel gekleidet oder zumindest in Migros-Plastiksäckli. Jeder fährt Velo. In Zürich hat man einfach ein Velo, am besten von der Velobörse oder aus der Limmat gefischt. Velos sind nun mal in.

Am vergangenen Samstag gab es dann bei uns im Velostall im Innenhof einen Neuzugang. Alice Johanna, der Neuerwerb meiner Mitbewohnerin, ein edles rotes, ebenso altes Dinosaurierdamenvelo mit Gepäckträger, wie sich herausstellte. Perfekte Voraussetzungen für eine kleine Velotour durch die Stadt für ein Bad in der Limmat. Also sattelten wir die beiden und wollten uns auf den Weg machen. Mein Herz pochte wild, denn ich fühlte mich nämlich endlich bereit, mich dem Züri-Velogroove hinzugeben. Allerdings kamen wir nicht weit. Es muss wohl die Anwesenheit der schönen AJ gewesen sein, die meiner Gordula jegliche Luft aus den Reifen gesaugt hatte. Super. Platt.

Irgendwo tief im Universum meines Hinterkopfs wusste ich, dass sich irgendwo in der Region ein Velogeschäft befindet, was unsere Rettung gewesen wäre. Also machten wir uns auf den Weg dahin in der Hoffnung um Luft. Kaum angekommen, trat auch schon ein junger Typ hilfsbereit aus dem Gebäude und zeigte sich gewillt, meine Gordula mit Luft zu versorgen. Ich hatte etwas Kleingeld dabei und er meinte jedoch, sie gäben nur Luft für Bier. Oh, back to the roots, dachte ich und rannte zum Inderkiosk um die Ecke, um um zwei kühle Biere reicher zurückzukehren. Alle waren glücklich, hatten Luft und Abkühlung und die Reise konnte endlich weitergehen.

Und ja, wir leben noch. Einziger Knackpunkt: Tramgleise. Die sind sehr heikel und gefährlich. Ansonsten ein Klacks. Auch für uns Aargauer. Der Züri-Velogroove hat uns die Prüfung mit Erfolg bestehen lassen und uns in ewiger Freundschaft in die Arme geschlossen.

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Ein Kommentar zu „Zürich, die Velostadt.

  1. i weiss dcordula esch vel schnäller oder grösser, aber du magsch dech bestimmt no an Antigo erinnere?!?:-) muess ehn jetzt glaubs i chäller stelle, brämse gfrühre bi dere chälti :-)
    wet eifach säge, mega lässigi site, super struktur, öbersichtlich, guet agordnet…i fends uh hammer wie du chasch schriebe, dini idee und dini details wo mer ide texte fendet, ächt stark. mach witer so, mer liesst dini texte gärn und wett au no meh lässe.liebi Grüess

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