Herrgott, ist es nun mit „y“ oder „i“?

„Gautschy. Genau. Also G – A – U – T – S – C – H – Y. Genau. Nein, Moment! (Herrje, das ist ja eine amtliche Stelle hier), man schreibt es mit „I“ am Schluss.“ Kein Wunder mustert mich die Dame am Schalter leicht schräg, ihre linke, sorgfältig angemalte Augenbraue leicht hochgezogen und zweifelt an meiner Zurechnungsfähigkeit. „Also wie schreibe ich ihren GANZ PERSÖNLICHEN FAMILIENNAMEN jetzt?“

Vierzehn Nasen in meiner nahen Verwandtschaft werden ständig vor diese Situation gestellt. Wo immer wir uns anmelden oder registrieren, müssen wir entscheiden, ob wir unseren Namen nun mit „y“ oder „i“ schreiben. Denn, was viele nicht wissen: Wir sind zwar im Telefonbuch und auf der Stirn etikettiert als Gautschy. Offiziell heissen wir allesamt Gautschi.

Heute, als meine Mitbewohnerin und ich – beide Gautschy – uns auf dem Stadtbüro wiederfanden um eine Bestätigung für unser Partner-GA zu holen, bekamen wir eine kleine Zurechtweisung der netten Dame am Schalter, da wir das Formular gewohnheitshalber beide mit „y“ ausgefüllt und unterschrieben haben, jedoch natürlich, ja natürlich, mit „i“ bei ihr in der Datenbank registriert sind. Sie zählte uns die dreihundertzweiundachzig Stolpersteine auf, die das mit sich bringen könnte, was uns die Lächerlichkeit der ganzen Situation mal wieder vor Augen führte. Einen Moment lang wollte ich ihr irgend eine Erklärung abliefern, gab jedoch bald auf und wir beiden Gautschys begannen lachend, unsere Kreditkarten, Bankkärtchen, Identitätskarten und so weiter, zu vergleichen, wer wo den Namen wie drauf hat – und wir fanden sogar Unterschiede!

So ein klassischer Moment, in dem man die eigene Identität in Frage stellt. Ich weiss zwar, dass da irgend eine komische Story dahintersteckt aber irgendwie kenne ich sie doch nur wage. Da muss doch ein Grund vorliegen für dieses Chaos!

Also griff ich zu Hause zum Telefonhörer und startete ein Verhör mit meinem Vater. Er verwies auf seinen Götti, der scheinbar früher einmal Nachforschungen gemacht habe und im Stammbaum alles mögliche vorfand. Einerseits ginge der Stammbaum sehr weit zurück, verlaufe sich aber immer wieder irgendwo im Nichts und weise sogar immer wieder beides vor – mal mit „i“ und mal mit „y“. Auf die Frage, weshalb das „y“ denn niemand offiziell gemacht habe bisher, meinte er nur, dass halt alle vielbeschäftigt seien und bisher halt irgendwie niemand dazu gekommen sei. Aha. Gut. Dann schlage ich vor, liebe Gautschys, die eigentlich Gautschi heissen, gebt Euren Kindern doch bei der Geburt gleich ein Briefing, am besten eine Liste, bei welchem Amt sie das „y“ und wo sie das „i“ verwenden sollen. Am besten alphabetisch geordnet, denn die Liste ist lang.

Mein Vater erwähnte dann auch noch den berühmten Heiner Gautschy, ein Schweizer Radio- und Fernsehjournalist, der scheinbar bekannt war als Korrespondent („Hallo Beromünster, hier spricht Heiner Gautschy aus New York.“), der habe sich ja ebenfalls mit „y“ geschrieben. Also geht es uns um das Image?! Und im Wallis und in Basel gebe es ja scheinbar auch noch weitere „y“s. Aha, dann doch eher die Weiterverbreitung unserer Namenskultur als Grund?? Aber man bedenke, es gibt sie tatsächlich sogar auf internationaler Ebene. Ich habe nämlich via Facebook (wo sonst?) einmal eine Gautschy mitten im Nichts von Amerika gefunden.

Wie auch immer. Ich fühle mich jedenfalls als eine wahre Gautschy. Und das ganze Mysterium um die Schreibweise unseres Namens macht uns doch auch irgendwie sympathisch, oder nicht? Ich werde jedenfalls nicht diejenige sein, die irgendetwas ändern wird. Ging ja bisher immer. Und ich bin auch vielbeschäftigt.

Kommentar von meiner Mitbewohnerin, als wir das Stadtbüro verliessen: „Ach dieses Durcheinander immer. Ich glaub ich heirate bald, dann ist das Problem auch gelöst.“ ;)

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