Es ist Herbst.

Hallo Herbst! Meine Lieblingsjahreszeit! Wo die Welt sich in einen bunten gelb-orangen Mantel hüllt und sich eine angenehm kühle Frische breitmacht, die einen tief einatmen und innehalten lässt – bevor man singend durch die ganzen Blätter hüpft. Die letzten warmen wunderschönen Sonnentage bevor die Welt in den Winterschlaf sinkt. So sieht mein Herbst aus. Ich liebe ihn.

Aber Moment! Der Start in den Herbst in diesem Jahr ist alles andere als das. Kaum waren wir noch gefühlt mitten im Sommer, steht er eines Morgens plötzlich düster vor meiner Tür und weint. Es regnet und regnet und regnet. Wie kann man so traurig sein. Während er so vor sich hin trieft, packe ich meine Sommerschuhe nun komplett in meinen Schuhschrank, greife nach den Stiefeln und wundere mich über das Tempo.

Naja, wenigstens ist es noch zu früh für die Winterjacke und die Hoffnung auf bunte Tage ist noch gross. Für das Winter-Outfit ist es eindeutig noch zu warm denke ich und packe mich in meine hellbraune Kunstlederjacke, schmücke mich mit meinem kuscheligen Sommerschal in knalligem Pink und erlaube meiner hellgrauen Wollkappe, ihren Platz auf meinem Kopf einzunehmen. Es ist wirklich frisch draussen. Ich bin zum Nachtessen eingeladen und freue mich darauf. Die kühle Luft geniesse ich.

Ich ahne nur am Rande, dass irgendetwas anders ist.

Erst als ich am späten Abend wieder am Hauptbahnhof in Zürich ankomme, werde ich mir bewusst, was der Herbst mit seiner jämmerlichen Weinerei bei uns Menschen scheinbar anstellt! Alles ist düster! Alles ist dunkel! Alle tragen schwarz! Fast ausnahmslos. Schwarze Mäntel – und wenn nicht schwarz dann grau oder braun. Dunkle und vor allem lange Röcke und Hosen. Eine Armee der Düsterheit. Eine hinterlistige Diebschaft, die den Herbst seiner Farbe beraubt hat. Und das, kaum sind die Temperaturen unter den Gefrierpunkt von Minirock und Shorts gefallen. Wie wenn das Leben nur in den Sommermonaten Farbe verdient hätte. Unglaublich. Wie ein verwirrter Hund muss ich, der Farbklecks in der Dunkelheit, erst einmal stehenbleiben und das Bild auf mich wirken lassen. Ein Wunder, dass keiner vor Schreck hingefallen ist bei meinem Anblick – ich muss ja leuchten!

Ich rufe euch also auf, liebe Mitmenschen, gebt dem Herbst seine Farbe zurück! Vielleicht hört er dann auf zu weinen.

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