Fische sind ja nichts für mich.

Als er so dahin watschelte, Maximilian der kleine Pinguin, inmitten der Masse von über tausend anderen Pinguinen, bekam er plötzlich Angst. Denn er bemerkte, dass sie alle so ziemlich gleich aussahen wie er. Das kam ihm etwas absurd vor. Es war sein erster Schultag und seine Eltern hatten ihn mit Tränen in den Augen in der Schule abgeliefert und er hatte zuerst gar nicht recht verstanden, was genau geschah und musste ebenfalls weinen. Nun hatten sie ihre erste Exkursion zum Meer um sich im Fische fangen zu üben und spazierten gemütlich plappernd über das Eis des Südpols und er nutzte die Gelegenheit, seine Mitschüler zu mustern. Alle schienen sich prächtig zu unterhalten. Nur er machte sich scheinbar darüber Gedanken, ob er wohl jemals wieder seine richtigen Eltern finden würde am Abend. Sie hatten ihm versprochen, ihn rechtzeitig abzuholen und ehrlich gesagt konnte er es auch kaum erwarten.

Doch wie zum Henker sollten sie ihn wiedererkennen wenn sie doch allesamt identisch waren? Maximilian wurde aufgrund der Tatsache sehr traurig und wusste nicht mehr, was er machen sollte. Seine Eltern hatten ihm immer das Gefühl gegeben, dass er etwas ganz Besonderes sei. Nun sah er ja, WIE besonders er war. Toll. Er suchte verzweifelt nach einer Lösung. Ausbüxen brachte wohl nichts, denn unterdessen waren sie sicherlich seit zwanzig Minuten unterwegs. Gefühlt, eine Ewigkeit. Er würde den richtigen Weg nach Hause wohl nie finden. Also musste er wohl oder übel den Tag mit der Gruppe verbringen und eine andere Strategie entwickeln. Zum Glück war er einer der intelligenteren Pinguine auf dem Planeten und so setzte er seinen Verstand weise ein. Er musste einen Weg finden, sich von den anderen zu unterscheiden. Tanzen fand er doof, das würden alle mit „Happy Feet“ in Verbindung bringen, was einfach zu schwul war.

Als sie beim Meer ankamen und die Lehrerinnen sie in drei Gruppen unterteilten, die sich abwechslungsweise der Theorie, der Trockenübung auf dem Eis und der praktischen Übung des Fischefangens annehmen sollten, hatte er die Idee.

Er weigerte sich ganz einfach mitzumachen. Die Lehrerin stutzte und fragte ihn weshalb. So etwas hatte sie in ihrer langjährigen Lehrerinnenkarriere noch nie erlebt. Er antwortete, dass Fische ja nichts für ihn seien. Auf den verwirrten Blick der Lehrerin und ihrer drei Kolleginnen hin ergänzte er: „Ich bin Vegetarier.“ So jagte er schliesslich den ganzen Tag lang alles andere als Fische, obwohl er natürlich heimlich genau beobachtete, was die andern taten, damit er später für sich üben könnte. Er wollte ja Fische essen. Aber er wollte noch viel viel mehr nach Hause zu seinen Eltern.

Und so kam es, dass Maximilian beim Rückweg an der Hand der besorgten Lehrerinnen gehen durfte, die ihn während des Tages mit allem Möglichen und Unmöglichen zu füttern versucht hatten. Er ignorierte die Blicke und Sprüche der andern. Er schnappte den ein oder anderen nachgeäfften Satz auf: „Fische sind ja nichts für mich“ – dies mit herablassenden Bewegungen kombiniert. Sollten sie doch. Sein Lächeln wickelte sich dreimal um seinen Kopf herum. Er würde dafür von seinen richtigen Eltern in die Arme genommen werden und am Abend mit ganz viel Fisch verwöhnt werden. Zur Schule gehen würde er nie mehr, damit hatte er nun abgeschlossen.

Klar ging er wieder zur Schule. Er fing auch Fische. Er war sogar Klassenbester. Und später wurde Maximilian übrigens selbst Lehrer und das erste, was er seinen Erstklässlern jeweils klarmachte war, dass jeder von ihnen etwas Besonderes sei und ihre Eltern sie am Abend wieder finden würden.

Danke an den heutigen Titelspender: Ilan Oppenheim

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