Angst

Angst. Du spürst sie und sie jagt dir die Tränen in die Augen. Sie steht hinter dir und du wagst es nicht, dich zu rühren. Du weisst, sie ist da. Du sitzt da, mit ihrem eisigen Atem im Nacken, der dir die Nackenhaare aufstellt, jedes einzeln. Du versuchst, sie zu verdrängen und weisst aber genau, wie sehr sie es geniesst, dich zu lähmen, dich zu foltern und dich in ihrer Macht zu wissen. Du kannst ihr jetzt nicht ins Gesicht schauen. Du müsstest dich dazu regen, dich umdrehen und dich ihr stellen. Sie würde dir alle Kleider vom Leib reissen und dich entblössen vor dir selber. Du würdest nackt und frierend da stehen und auf ihren eiskalten tötenden Kuss warten. Sie würde den Prozess in die Länge ziehen und dich demütigen und lauthals lachen. Das würde sie, wenn sie könnte. Was ihr jedoch nicht bewusst ist, ist deine Kraft. Deine Kraft, die sich erst durch das Entblößen entfalten kann. Sie strömt aus deinen Augen, in dem Moment, als du dich entscheidest, der Angst tief in die Augen zu blicken und durch sie hindurch. Dann nämlich erkennst du ihre wahre Natur. Die Illusion. Es lässt die Angst zurückschrecken und innehalten. Die Kraft strömt aus deinem Herz und schliesslich bist du es, die auf sie zugeht, sie herzlich umarmt und mit den Händen auffängst, als sie sich in Staub auflöst.

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