Ein Bild spricht: „Der Stier und der fliegende Torero“

Als er sich in der Luft befand, den dumpfen Schmerz des Stosses, den ihm der Stier gnadenlos in den Hintern versetzt hatte, deutlich spürend, schien die Zeit stillzustehen. Das knirschende Geräusch, das die Hufe des Bullen beim Abbremsen erzeugten, gekoppelt mit seinem wütenden Schnauben, war direkt hinter ihm ganz klar zu vernehmen. Der Aufschrei, der sich während des Aufpralls durch die Menschenmenge gezogen hatte, klang ihm noch im Ohr.
Nun, da er irgendwo zwischen Himmel und Erde hing, wurde der Schrei von einer gebannten, erdrückenden Stille abgelöst. Er fühlte alle Augenpaare auf sich gerichtet, in einer solchen Deutlichkeit, dass er überzeugt war, er könne sie zählen ohne hinzuschauen. So intensiv, dass sie ihn mit der Hoffnung füllten, sie könnten es alle gemeinsam schaffen, ihn magisch zu bremsen, bevor er die weisse Mauer vor sich erreichen würde.

In der Ruhe, die sich nun über alles Denkbare gelegt hatte, bemerkte er den Schrei eines Kindes und wunderte sich, was wohl dessen Eltern dazu bewogen haben könnte, jenes unschuldige Geschöpf zu einem gewaltigen Kampf wie diesem mitzunehmen. Falls er ihnen später begegnen sollte, würde er sie fragen. Vorausgesetzt, er lebte dann noch. Und weiter würde er sich die leckeren Crêpes am Hafen gönnen und zwar so viele, bis er keinen Bissen mehr würde essen können. Und weiter würde er seiner Frau sagen, wie sehr er sie liebte. Und weiter würde er endlich das kleine Segelboot kaufen, das er jeden Tag am Hafen passierte. Denn jeden Tag musste er kurz innehalten, um es mit inneren Bildern zu schmücken, die das Boot, sich und seine Frau sowie tausend Sonnenuntergänge beinhalteten. Und weiter würde er den Tag, die Stunde, die Minute, die Sekunde ehren und nichts mehr aufschieben.

Dann wurde es weiss, als die Mauer so nah war, dass er sie riechen konnte. Und dann wurde es schwarz.

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