Today we change fate.

Gestern Abend hatte ich ein interessantes WG-Küchengespräch mit meiner neuen Mitbewohnerin. Eines von denen, wo die Zeit flöte geht und es irgendwann draussen dunkel ist und man sich wundert. Ich liebe diese Gespräche! Das Thema hat mich noch eine Weile beschäftigt, naja eigentlich beschäftigt es mich wohl schon seit ich denken kann und es hat mich dann heute Morgen um 7 Uhr aus dem Bett gejagt mit dem Bedürfnis, etwas darüber zu schreiben… neben dem Bärenhunger, der sicherlich auch nicht ganz unschuldig daran war.

Wir redeten über die üblichen Dinge; über das Leben, Beziehungen, Menschen, wie Aufrichtigkeit funktioniert und schliesslich darüber, wie und ob man die Welt verändern kann in unserer Zeit.

Das Fazit zum letzten Punkt nehme ich hier gleich vorab, um dich davon abzuhalten, zum Ende des Texts zu scrollen. Damit du mir nachher nicht den Vorwurf machen kannst, ich hätte dir etwas aufgeschwatzt, dir Versprechungen gemacht, die so nicht zu halten sind und dir einen kompletten Habakuk erzählt, spreche ich natürlich aus meiner Sicht.

Ja, ich glaube ich kann die Welt verändern. Jeden Tag. Jeden Moment.

Wie das geht? Naja, ich denke das kommt ganz darauf an, wie man die Welt anschaut.

Nachdem ich einmal mehr mit meinem Vater über das Thema „Verändern der Welt“ diskutiert hatte und wir schlussendlich einmal mehr beim Baugesetz gelandet waren und was daran alles falsch ist und nicht funktioniert, und ja überhaupt wie unsere starren und veralteten Systeme nur einschränken und wie er dann im Bau-business daran leiden muss, machte ich mir ernsthaft Sorgen, weil ich spürte, wie sehr er mit diesem Denken gegen Windmühlen kämpfte. Ich fragte mich schliesslich selber, worauf kommt es denn an?

Man kann sie ja in viele Systeme unterteilen, unsere lustige Welt. Politik, Wirtschaft, Religion etc. In jedem dieser Systeme herrschen Gesetze. Sind sie nicht auch die Sprachrohre für jeden Einzelnen, kann man sich fragen, sind sie nicht der Weg um überhaupt etwas erreichen zu können. Wie wichtig ist es doch, sagt mancher, dass jeder in der Politik „aktiv“ ist, sprich seine Stimme gibt. Wir sollten doch diese Sprachrohre genau dazu nutzen, damit die Welt besser wird! Heisst das, wenn du die Welt verändern willst, passe dich an, stimme immer ab, gehe jeden Sonntag in die Kirche, konsumiere, damit der Geldkreislauf mächtig in Schwung bleibt?

Seien wir ehrlich: Kein Wunder glauben viele Menschen, sie können die Welt nicht verändern, denn auf diesem Weg scheint es, mir zumindest, eher schwierig. Und da enstand mein ganz persönlicher Zielkonflikt, der mich überhaupt daran zweifeln liess. Ist es richtig, gegen die Umweltverschmutzung zu stimmen und fröhlich jeden Tag Auto zu fahren, Öl für die Heizkosten zu verbrauchen und tonnenweise Abfall zu verursachen? Versteh mich nicht falsch, unsere Gesellschafts-Systeme bieten uns sehr viel Gutes und auf gewissen Ebenen kann die Politik tatsächlich Dinge erreichen, die wir als Einzelpersonen nicht können. Und die Kirche kann vielen Menschen Halt geben, was sehr Wertvolles mit sich bringt. Ich finde also unsere Systeme nicht einfach „schlecht“, das soll hier klar sein. Das Wort, das mir dazu in den Sinn kommt jedoch vielleicht schon: Macht. Aber ich möchte nicht weiter darauf eingehen, sonst kämpfe ich eben genau gegen diese Windmühlen, darum lasse ich das hier so stehen – und ich will ja keinen Roman schreiben.

Was ich sagen will ist, dass ich die Logik hinter dem Gedanken, beispielsweise gegen Massentierhaltung zu stimmen und währenddessen ein Güggeli aus einer Massenproduktion zu verspeisen, nicht verstand.

Also fragte ich mich weiter: Was macht mehr Sinn? Gegen die Windmühlen zu kämpfen, die ja doch stärker sind als du und ich? Oder wenn ich mich in den Windschatten begebe, einen bunten Papierdrachen bastle, und ihn dann im Wind der Windmühlen steigen lasse und die Welt um etwas Schönes bereichere? (Naja, über meine Bastelkünste reden wir hier lieber nicht.)

Was, wenn der Prozess, um die Welt auf irgendeine Art und Weise zu verändern, nämlich bei mir selbst beginnt und ich den Fokus weg von diesen Systemen nehme? (Die sind übrigens genauso von Menschenhand erschaffen, wie mein kleiner Papierdrachen.) Und damit meine ich nicht, dass ich Superheld spiele und alle Wale und Delfine dieser Welt mit zwei Armen rette und alles Öl, das ausläuft, aufsauge und schlucke und nebenbei noch die Hungersnot stille. Wow, wer das schafft, kriegt von mir einen Award!

Damit meine ich, dass ich mir Gedanken mache darüber, wie ich lebe und die Verantwortung dafür übernehme. Dass ich mir klar werde, wer ich bin. Wie ich gut zu meinen Mitmenschen sein kann und zu mir selber. Dass ich meine Träume lebe. Dass ich meine Ängste überwinde. Dass ich das tue, was mir Freude bereitet und es mit der Welt teile. Dass ich liebe und glücklich bin. Dass ich all das schätze, was da ist und dankbar bin dafür. Dass ich dazu meinen eigenen Weg gehe.

Ist nicht die Chance am grössten, etwas auf dieser Welt bewirken zu können, wenn es aus tiefster Aufrichtigkeit geschieht und von Herzen? Bist du nicht auch schon einmal einem Menschen begegnet, der so etwas ausgestrahlt hat, das bei dir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, ohne Grund, scheinbar einfach nur, weil er/sie so herzlich/aufrichtig/authentisch/hilfsbereit war? So dass du vielleicht gedacht hast: „Das will ich auch“ und etwas verändert hast an dir? Das wäre dann die gute alte Inspiration, die ihre grossartige Arbeit macht. Und genau da liegt meiner Meinung nach der Anfang.

Jemand hat einmal zu mir gesagt, er glaube nicht, dass er aus einem bestimmten Grund auf der Welt ist und schon gar nicht, dass er die Welt verändern kann. Lieber Jemand, du hast recht, ob wir aus einem Grund hier sind, who knows? Aber ich behaupte nun trotzdem einmal stinkfrech, dass es gar nicht möglich ist, die Welt NICHT zu verändern. Verändert nicht alles irgendetwas? Wenn du am Morgen aufstehst und dem Postboten ein Lächeln schenkst, schenkt er es nicht vielleicht weiter und es vermehrt sich automatisch? Wenn ich dem Herrn aufhelfe, der auf dem Gehsteig umgefallen ist und er durch mein kleines Eingreifen ein Mitgefühl erlebt, das er vielleicht noch nie erlebt hat, wird er nicht vielleicht seine Frau am Abend nicht schlagen?

Naja, das waren meine Gedanken dazu. Schlussendlich hat jeder seine eigene Wahrheit und das ist auch gut so – es wäre ja langweilig wenn es anders wäre. Danke für’s Lesen.

„Be the change you want to see in the world“ (Mahatma Gandhi)