Rosas Welt.

Zu Besuch bei Grigia, Rosa und Leo.

Mama Büsi

Mama

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Barfuss.

Zwei Füsse. Sie sehen spiegelverkehrt so ziemlich gleich aus. Sie sind also spiegelverkehrt identisch. Und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein.

Mit dem einen Fuss, dem Linken, stehst du fest auf dem Boden. Er trägt dich in die Welt hinaus, die Welt der Ereignisse und Events, beginnend mit dem morgendlichen Aufstehen. Er trägt dich vom Bett ins Bad, vom Bad in die Küche, von der Küche zurück ins Bad, vom Bad zum Eingang, von der Wohnungstüre in die Stadt und zum Bahnhof, in den Zug, vom Zug in den Bus, vom Bus ins Büro. Vom Bürostuhl zur Kaffeemaschine, zum Drucker, ins Lager, aufs Klo, in den Mittag, zu den abgelegten Dokumenten, zum Kopierer, er trägt dich pflichtbewusst durch den Tag, bringt dich zum Briefkasten, zur nahegelegenen Tankstelle für eine Zwischenverpflegung. Kurz vor 17 Uhr kann er es kaum erwarten, dich zur Bushaltestelle zu führen, in den Bus zu hüpfen, aus dem Bus, in den Zug, im Zug etwas im Rhythmus zur Musik vom iPod zu tappen, aus dem Zug zu steigen, durch die Stadt zu marschieren, durch einen Schuhladen zu schlendern, durch den Supermarkt zu eilen und schlussendlich den Stiefel abzuschütteln, um in die Dusche zu hüpfen, aus der Dusche, in die Küche zu tapsen und dann in die schönen edlen neuen Ballerinas zu schlüpfen. Hinaus in die Stadt, stolz und fest am Boden, in das benachbarte Pub, in ein nächstes Pub, von da in den naheliegenden Club, wo er dich tanzen lässt, die ganze Nacht, bis er nicht mehr stehen kann und dich morgens um fünf nach Hause schleppt, wo er sich endlich müde an die Wärmeflasche schmiegen kann, um sich für den nächsten Tag zu rüsten. Er ist zuverlässig, pflichtbewusst und auf ihn ist immer Verlass. Er ist unabdingbar in dieser Welt. Eigentlich würde ja dieser eine Fuss reichen, nicht? Oder gleich zwei von ihnen. Zwillingsfüsse quasi. Fest im Leben. Schön, nicht?

Dein rechter Fuss hat sich da ganz anders entschieden. Gottseidank. Der hat ganz schöne Flausen zwischen den Zehen, aber hallo! Er trägt dich in die Wolken. Er lässt dich Dinge sehen, die der andere Fuss rücksichtslos zertrampeln würde. Er besitzt die Gabe, Richtungen einzuschlagen, die der andere Fuss niemals in Erwägung ziehen würde. Er versucht konstant, seinen Nachbarn zu überreden, seinen Träumen zu folgen. Manchmal wird er zu übermütig und stolpert jämmerlich über seine eigenen Füsse – wenn er denn welche hätte. Er stolpert, aber er träumt weiter und steht hoffnungsvoll wieder auf. Er geht den steinigen Weg und lässt den alltäglichen Fussweg hinter sich. Er trägt dich in eine Welt, in der Äusserlichkeiten keine Rolle spielen. Er trägt dich barfuss durch den Regen! Er plantscht mit dir im Winterfluss, rennt durch den Schnee, lackiert seine Nägel knallrot, überschreitet Grenzen, geht backstage und lässt seine Hüllen fallen. Er braucht keine Maske, keinen Alltag, keine Routine. Er ist. Er träumt. Er malt sich bunte Bilder, baut sich Luftschlösser und ist ein elender Chaot mit tonnenweise Schmutz unter den knallroten Nägeln, aber was soll’s? Er ist manchmal etwas unzuverlässig, aber er folgt seinem Herzen. Er betet. Er glaubt. Er wünscht. Er hat Angst. Er hat Mut. Er weiss nichts. Er kennt die Sitten dieser Gesellschaft nicht. Er will sie gar nicht kennen, denn er will einfach leben und Fuss sein!

Du hast also Alltag und Verrücktheit unter dir und das ist gut so. It’s all in the mix. Und falls du etwas stark zwischen rechts und links hin und her schwankst zwischendurch, don’t worry. Das trägt doch zu dem bei, was unter dem Strich der Rechnung steht:

LEBEN.