Die Kunst des Feuermachens

Man nehme ein Holzschiitli, lege es in den Kachelofen, zünde es an und es brenne lichterloh innert Sekunden und augenblicklich strömt eine wohlige Wärme durch die komplette Wohnung.

Vergiss es! Das ist ein Traum, den ich jeden Winter mindestens zehn mal träume, vor allem wenn ich spät Abends nach Hause komme und eine eiskalte Wohnung mich in ihre Arme schliessen möchte.

Mit einem Kachelofen als Heizung in seiner Wohnung zu leben ist wahrlich abenteuerlich. Dies tue ich nun seit bald zwei Jahren und hege eine leidenschaftliche Hass-Liebe gegenüber dieser Art des Wärmeschaffens. Dieser wird von der Küche aus beholzt (welch schönes Wort) und der wunderbar dunkelgrüne Kachelofen thront im Wohnzimmer. Gleich neben dem Ofen liegt das Zimmer meines Mitbewohners (ein Glück für ihn) und am weitesten entfernt vom Ofen liegt mein Zimmer. (ein Pech für mich) Ihr werdet wohl jetzt denken „oh wie romantisch, wie bei Grosi daheim, auf der Chouscht das Füdli wärmen!“ Nein. Ich habe keine Chouscht zum drauf sitzen. Ein Füdli schon. Aber das bleibt im Winter meist kalt.

Mit Holz heizen ist eine knifflige Sache.

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Angefangen beim Holz besorgen. Dies tue man bitte früh genug. Ich bin schon ZWEI mal – ja, ich lerne oft erst nachdem ich zweimal den selben beschissenen Fehler gemacht habe – in die Falle des zu späten Bestellens getappt, was wir dann im letzten Winter mit eineinhalb Wochen frieren, wiederholtem Haare und alle anderen Körperstellen föhnen, Backofen anstellen und auf heiss stellen, duschen, Wärmeflasche im Pulli tragen und sieben Schichten Kleider um den Leib stapeln, gebüsst hatten. Ach ja, in der Migros im Brunaupark gab es glücklicherweise 15 kg Kisten mit Holz, die ich dann durch das halbe Zürich von Migros zu Tram zu Tram zu Haustüre zu Ofen geschleppt hatte, nur um dasselbe zwei Tage später zu wiederholen. Luxusholz, alles! Wir sind eben keine Schwedenofen-Gesellschaft! Wir brauchen was Rechtes! Als die Holzlieferung dann endlich kam, hatten wir uns schon fast daran gewöhnt und man staunt, mit wie wenig Wärme der Mensch auskommt wenn es dann sein muss und in jeder „normal“ beheizten Wohnung lief mir der Schweiss nur so. Da fiel mir erst einmal auf, wie überheizt viele Wohnungen bei uns sind. Dabei würde ein Pulli mehr oft schon so viel ausmachen. Trotzdem waren wir dankbar und lernten die Wärme von ganzem Herzen neu schätzen. Ich finde ja, es hat etwas sehr Schönes, wenn man für seine eigene Wärme verantwortlich ist. Wenn man denn etwas zum Wärme erzeugen hat. ;)

Dann beachte man als weiteren Punkt die Sicherheit vor und während des Heizvorgangs. Wenn der Ofen heiss wird, dann wird er eben wirklich heiss. Auch das Türli, das man öffnet, um Schiitli nachzulegen. Bis ich das kapiert habe, habe ich einige Brandblasen davon getragen! Und bitte zieht niemals, NIEMALS, weisse Trainerhosen an zum Feuer machen. Nicht, dass mir das schon einmal passiert wäre, ach was. Zum Beispiel an meinem allerersten Morgen in der Wohnung, bei meinem allerersten Feuer. Das sage ich nur so. Rein präventiv. Achja, auch habe ich beim Holz holen (das lagert im Keller und wir holen dann etappenweise Ikeasäcke voller Schiitli in die Küche) den Kopf (ja, auch zweimal, Mist!) an der Ecke des Holztablars, das oberhalb des Ofens an der Wand befestigt ist, gestossen. Gestossen? Aufgespiesst hat mich die Ecke. Das war Absicht! Da ist tatsächlich heute noch eine Delle – also nicht im Tablar. Wenn man also vorsichtig ist, dann klappt’s auch ohne weitere Zwischenfälle. Da darf ich mir nach zwei Wintern und kurz vor der dritten Kälteperiode – die letzte ging ja nur bis Mai… –  auf die Schulter klopfen: Ja, ich bin ein Profi!

Es kommt aber auch auf das Holz an! Auf die Art und auf die Menge der Feuchtigkeit, die da noch drin ist. Die letzte Lieferung war nicht trocken genug. Nur um ein paar Prozent, wie das die Frau Feuer-Instruktorin mit einem Messgerät eines kalten Morgens um halb acht festgestellt hatte, jedoch reichte das, um uns schier in den Wahnsinn zu treiben. Das zischte, tropfte, und gab Geräusche von sich, die wir heute noch nicht nachahmen können. Zudem handelte es sich um irgend ein durcheinander gemischtes Laubholz, das kaum im Ofen, schon zu Asche wurde. Leider hiess das auch, dass wir Unmengen an Holz verfeuerten. Ich benutze am Liebsten Buchenholz. Einmal doch fast Mahagoni, das ich jedoch erst in Form einer Gitarre in meiner Wohnung begrüssen durfte – und wenn ich die da hineingeschmissen hätte, wäre jemand ganz schön mordlustig geworden… dann eben Buche. Die brennt ganz gut und nicht allzu schnell.

Ich bin ein Mensch, der sehr strukturiert chaotisch arbeitet. Am besten drei Dinge parallel beginnen und dann zwischen den dreien hin und her wechseln, ganz nach Lust und Laune. Dies funktioniert jedoch beim Feuer machen definitiv nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, das Feuer ist eine (ziemlich fiese) Person, die mich kichernd, wenn sie das denn könnte, daran mahnt, mit meinem Kopf und meiner Aufmerksamkeit bei einer Sache zu bleiben und mich nicht immer wie ein junger Hund zu verzetteln um mich dann am Kopf kratzend zu fragen, weshalb ich denn eigentlich schon wieder in die Küche wollte. Also habe ich oft das Feuer entzündet, zu Beginn noch mit Zeitung (sagt das niemandem) als Starthilfe, und als es schön vor sich hin brannte, dachte ich, ich könnte währenddessen das Wasser für Spaghetti aufsetzen und währenddessen ein paar e-mails beantworten und währenddessen die neu gekaufte CD in’s iTunes einlesen. Als ich dann in den Ofen guckte und das Feuer zischend ausgegangen war, kochte parallel das Wasser auf dem Herd zischend über und ich stand in der Mitte der beiden Geschehnisse und just in der Sekunde, als ich mich entschieden hatte, erst das Wasser zu stoppen und DANN das Feuer neu zu entfachen, erschrak ich fürchterlich, als es zweimal „bling“ aus meinem MacBook machte und die CD somit fertig eingelesen war und die erste Antwort auf mein e-mail da war. FOKUS! Also gewöhnte ich mir an, das Feuer in aller Ruhe (soviel Ruhe wie eben möglich ist, wenn einem fast die Zehen abfrieren) zu machen und mich vor den Ofen zu setzen und zu warten, bis es sicher brennt. Es ist schon fast ein kleines Ritual für mich. Erst dann widme ich mich anderen Tätigkeiten. So fühle ich mich unglaublich feuerkompetent. Was das fiese Feuerpersöndli jedoch nie davon abhält, nach Lust und Laune wieder zu verpuffen und grundlos auszugehen. Ja, ausgehen passt. Sauhaufen, diese Feuermonster haben wohl auch ihre Ausgangsphasen.

Mit Feuer machen ist aber noch lange nicht die Arbeit getan! Denn wenn es schnell gehen muss ist eine gewisse Strategie gefragt. Dann werden alle Zimmertüren geschlossen und das Wohnzimmer wird als erstes warm. Ist die Stube dann zu warm, kann man die Zimmertüren wieder öffnen und die kalte und warme Luft vermischen sich und es wird angenehm in der ganzen Wohnung. Im eisigen vorletzten Winter (meinem ersten in dieser Wohnung, was bestimmt ein gemeiner Test war!), hatte ich meine Matratze tatsächlich über eine Woche lang im Wohnzimmer und mein Zimmer (liebevoll in „Sibirien“ umgetauft) betrat ich nur, wenn ich Kleider oder sonst etwas brauchte. Bis ca. 5 Grad Celsius ist es kein Problem, die ganze Wohnung relativ schnell warm zu kriegen. Alles von da bis um die Null Grad Grenze ist etwas mühsamer. Alles, was kälter ist als das, ist schlicht UNMENSCHLICH. Aber da kommt ja nicht so oft vor. Das sind dann aber auch diese Momente, wo ich mir eine ganz normale, bequeme Heizung wünsche und ich muss mir alle Vorteile wie niedrige Miete, Umwelt, Romantik und Entschleunigung mit rotem Lippenstift (sofern er nicht eingefroren ist) an den Spiegel schreiben, um mich daran zu erinnern, dass das Heizen mit Holz doch seine schönen und guten Seiten hat.

Kennt man die Tricks und Kniffe, wird es sogar zum Genuss und ich liebe es, wenn der Ofen heiss ist, es herrlich knistert und die heisse Glut klirrt, meine Wangen rot werden, wenn ich Holz nachlege, und ich mich dann in mein Sofa kuschle, mich von der wohligen Wärme des Holzofens glücklich machen lasse und bei einer Tasse Tee draussen den Schneeflocken zuschaue. Da lohnen sich der Aufwand und die Nerven, die zwischendurch mal verloren gehen, eben doch.

Und: Im Sommer hat man plötzlich ganz viel Zeit!

Lieber Winter, ich bin bereit. Du darfst kommen.

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