Eine verkatzte Montagsgeschichte

Guten Morgen allerseits! Ja, genau. Richtig gelesen. Nein, ich bin nicht in einer anderen Zeitzone, zumindest nicht äusserlich. Jedoch haben tatsächlich äussere Umstände zu einem etwas unkonventionellen Tag geführt. Typischer Montag: Sonntagabend geht man in’s Bett, stellt den Wecker, schläft, wacht auf, trinkt Kaffee und geht entweder arbeiten oder hat frei, so wie ich jeweils Montags. Mein heutiger Montag: Sonntagabend gehe ich in’s Bett und schlafe und schlafe und schlafe nicht ein. Warum? Naja, beispielsweise die Geräuschkulisse: „Mau, mau, mau, mau, mau, MAU, MAAAAAOOOOUUUUU.“ Ungefähr so. Ungefähr. Nur mehr davon. Dann kommt noch höhere Gewalt dazu. Wenn man ein Büsi, das unbedingt raus will (und noch nicht raus darf weil erst seit Freitag bei mir), als höhere Gewalt einstufen kann. Das ist natürlich ein Problem, dieses nicht raus dürfen, wenn man es sich gewohnt ist. Nicht für beide allerdings. Lilly, die Prinzessin/Fee/Baby/Diva/Bitch fühlt sich auch so pudelwohl, kommt auf’s Bett wenn ich im Bett bin, wirft sich glücklich auf den Rücken und lässt mich den Bauch streicheln, rennt fröhlich Stoffmäusen hinterher und knetet auf der Decke hingebungsvoll einen Brotteig. Ich glaube, im früheren Leben war sie eine Bäckermeisterin und Prinzessin. Lilly schläft also eingekugelt und nur schon das Anschauen macht wohlig müde. Mandy ist da eher etwas in ihrem Raum irritiert und es dauert bei ihr etwas länger, bis sie sich an die neue Situation gewöhnt. Am Liebsten sitzt sie auf dem Tisch und beobachtet die Welt draussen oder verzieht sich in mein Kleiderkämmerlein, wo ich ihr einen gemütlichen Korb platziert habe, wo sie ihre Ruhe hat und sich bei gelegentlichen Besuchen schnurrend streicheln lässt. Sie hat eine enorm laute, sehr kraftvolle Stimme, während Lilly süsslich hoch fiept, und würde gut in die Rock-Band meiner Cousine passen. Sie zögert nicht, ihre Stimme zur Geltung zu bringen, wenn dann nötig. Wie eben dann, wenn man raus will und nicht darf. Sie ist eher die Lady in sexy Boots im Saloon des besten amerikanischen Westerns, die mit ihren Eulenaugen jeden Abend problemlos Männer um die Pfote wickelt und einen nach dem anderen verführt. Wer kann da schon widerstehen? Und ihr gewährt natürlich, was sie will! Jedoch fehlt ihr etwas die Eleganz und wenn sie durch die Wohnung spaziert in ihren weissen Stiefelchen, stupst sie freudig schnurrend ihren Kopf in alles und jeden, das und der ihr begegnet auf dem Weg, touchiert sie gekonnt mit dem Po und schlingt noch husch den Schwanz darum. So sind meine Hände links und rechts am Dinge festhalten, die sie runterzuwerfen droht. Sie ist etwas grösser als Lilly, die eher eine kleine, feine Katze ist. Nun gut. Kommen wir zur besagten Nacht von Sonntag auf Montag zurück. Wo waren wir? Ah ja. Mau, mau, mau, mau, MAU, MAAOOOUUUU. Da ich selbst eine Nachteule bin und oft vor 2 Uhr nicht schlafe, ist es mir bis dahin eigentlich egal und ich versuche gar, es ihr schmackhaft zu machen, dass sie noch drinnen bleiben soll aber bald, bald raus darf. Sie hört nicht und stellt sich auf den Fenstersims über meinem Kopfende des Betts und schwupps reisst sie gekonnt den Vorhang hinunter und mit ihm landet mein Handy (nicht zum ersten Mal) auf dem Boden und die Klangschale wird touchiert, worauf Lilly erschrickt und vom Bett springt. Ich bin wach. Hell. Wach. Also hänge ich den Vorhang wieder auf und erzähle ihr Geschichten von Mäusen, die auf sie warten und von der absehbaren Zeitspanne, in der sie NOCH nicht raus darf. Katzen kennen keine Zeit. Da können wir uns wohl eine Scheibe abschneiden. Sie versinken im Moment und alles andere ist egal. Und in DEM Moment ist nur eines wichtig: Ich. Will. Raus. Ich setze mich zu ihr und sie lässt sich kurz ablenken, bis ihr wieder bewusst wird, worum es hier eigentlich geht und herrje, die Western-Lady lässt sich nun mal also sicher nicht ablenken, geht es eigentlich noch!? So kassiere ich ein kleines Fauchen und weiss, oh, es ist ihr ernst. Sie verzieht sich wieder unter dem Vorhang durch, der Schlafbereich und Wohnzimmer trennt und spielt. Ich entspanne mich und döse langsam ein. Bis. Mau, mau, mau, mau. MAU. MAAAAOOOUUUU. Bisher kannten die beiden die Katzenklappe nicht aber haben sie bei mir bereits entdeckt und schnell erkannt, dass diese raus führt. So ist gelegentliches Rütteln daran an der Tagesordnung, ich habe sie jedoch so eingestellt, dass sie nicht auf geht. Denke ich. Oder doch nicht? Ich schrecke auf im Bett, als ich mir plötzlich nicht mehr sicher bin und gehe zur Klappe, an der ich ein paar Mal rumdrehe um sicher zu gehen. Einmal zu viel gedreht, wittert Mandy ihre Chance und nutzt die Gunst meiner Müdigkeit – und ist weg. Weg. Draussen. Morgens um 4:30 inzwischen. Ich ziehe mich an und renne raus, doch von ihr fehlt jede Spur. Da die lieben Vorbesitzer (Obwohl „Besitzer“ ist bei Katzen niemals das richtige Wort. Ja, bei Tieren allgemein nicht. Bei Katzen besonders. Vor-Mitbewohner eher. Vor-Sklaven? wink emoticon ) gleich zwei Gehminuten von mir entfernt wohnen, bin ich überzeugt, dass sie früher oder später da auftauchen wird und verständige sie. Kaum liege ich wieder im Bett, maunzt es laut draussen. Eine Probe der Rockband, vermute ich im Halbschlaf. Ah nein, Mandy! Ich renne zum Fenster, öffne es und sie wirft kurz einen Blick hinein, bevor sie dann doch wieder verschwindet. Okay, sie weiss also, wo wir sind. Doch als ich erneut rausgehe, ist sie wieder fort. 5:15, ich liege wieder im Bett und kaum entspanne ich mich erneut, probt die Rockband wieder! Also öffne ich das Fenster wiiiieder und sehe sie da sitzen. Während ich damit beschäftigt bin, Lilly in die Küche zu sperren, damit sie mir nicht auch noch entwischt, verschwindet Mandy wieder und so scheint das kein Ende mehr zu nehmen. Ein Versuch wage ich noch, ziehe mich an und spaziere die paar Minuten hoch zum anderen Daheim der beiden. Ich staune nicht schlecht, als es zu allem äne auch noch zu schneien anfängt, in grossen Flocken! In welchem Film bin ich denn hier gelandet? Ein magischer Morgen, denke ich und atme ihn tief in meine Lungen. Ich muss gestehen, wäre das alles nicht passiert, würde ich ihn verschlafen. So hat alles sein Gutes, nicht? Mandy bleibt verschwunden und ich lege mich schlafen, während Lilly neben mir Brotteig knetet – und ich erwache erst wieder, als das Telefon klingelt, kurz vor dem Mittag. Sie ist bei den Vor-Mitbewohnern! Ich watschle verschlafen und erleichtert hoch, hole sie und die Welt ist wieder in Ordnung! Wir alle drei sind kaputt und so verschlafen wir den ganzen Rest des Tages und nun ist also Montagabendmorgen.

Ja ich weiss, ihr denkt jetzt vielleicht: „Na, bist ja selber Schuld, denn wenn man Katzen hat, lässt man sich halt auf viel Trubel ein, gerade in der Anfangsphase.“ Mag sein. Aber da bin ich dann doch sehr gern selber Schuld und wenn es so sein soll, dass ich mit schlauchbootartigen Augenringen durch die Welt spaziere, bis sich alles eingependelt hat, dann sei es so. Und immerhin entstehen da Geschichten, die es zu erzählen gibt und die Worte sprudeln endlich wieder. Geschichten. Mit der Prinzessin Bäckermeisterin und der Lady aus dem Western in der Hauptrolle und mir in der Nebenrolle, als Statistin und Hintergrundgeräusch. Diese Kulisse hat man wahrlich nicht alle Tage! wink emoticon

In dem Sinn, en schöne Tag, ich meine Abend allerseits!
Mau!

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