Glücksmoment

Fluss im Leben, Lebensfluss. Türkisfarben wie das Meer. Die Sonnenstrahlen im Gesicht, wohne ich am Hafen einem wunderbaren Feste bei, das mir Aufwind bringt und mich zu den Wolken trägt. Lilafarbene Herzen säumen meinen Hut und das rote Schiff legt gerade ab.

Anna sagte einmal, sie mag die Roten nicht so sehr, weil sie sie an die Liebe erinnern und diese sei so unbeständig wie das Meer, wenn das Schiff den Hafen verlässt. Es schaukelt und tut alles, um sich den äusseren Gegebenheiten anzupassen. Anna mag lieber den sicheren Hafen. Dass das ein Problem darstelle, haben ihr schon Viele weismachen wollen. Denn da liege das Boot ja unbenutzt und man könne nicht damit rechnen, dass das Leben, das Meer und die Gezeiten zu ihr in den Hafen kommen. Sagen sie. Während sie am Hafen ein Eis essen und sehnsüchtig zum Horizont schauen.

Anna seufzt und weiss: Die Wellen warten auf sie, wollen sie schütteln und tragen, sie liebkosen und küssen und sie in neues Wachstum hineindrängen. Sie hat viele Tage da draussen verbracht, hat Vieles verloren in den Wogen der Wellen. Deshalb erholt sie sich im Hafen, denke ich mir. Doch auch sie wird wieder bereit sein. Ihr Boot wartet. Und das Schöne ist, es läuft nicht davon. Sie flickt es, malt es an – diesmal in Türkis – und tauft es „Glücksmoment“. Sie hat das Leuchten einer Liebenden in ihren Augen und die Traurigkeit einer Verwundeten. Sie ist die wohl stärkste Frau, die ich seit Langem getroffen habe. Und Viele sehen das nicht. Sie sehen sie nur am sicheren Hafen sitzen und ihre Nägel lackieren. Sie sehen nicht, dass sie dem Wind lauscht, die Möwen begrüsst, den Fischen Geschichten erzählt – und sobald der Wind ihr grünes Licht gibt, werden sie sie nicht mehr finden, denn dann segelt sie mit ihrem Glücksmoment davon. Weit hinaus auf das weite Meer.

„Vergänglichkeit“ oder „Unendlichkeit“

Vergänglichkeit, bist wahrlich nicht
Ein leichtes Zuckerschlecken
Und doch können wir nur durch Dich
Unendlichkeit entdecken

Du bist das Tor, des Lebens Kern
Und willst so viel uns zeigen
Doch halten wir uns lieber fern
Indem wir Dich verweigern

Als Sprachrohr der Unendlichkeit
Suchst Du Dir harte Wege
Im Kostüm der Vergänglichkeit
Das uns bewegen möge

Kein Anfang ohne Ende lebt
Kein Ende ohne Grund
Auch wenn durch Dich das Herz erbebt
Tust du die Wahrheit kund

Erst wenn ein weit’res Licht vergeht
Ein weit’rer Epilog
Kann fühlen, wer Dich recht versteht
Es war auch ein Prolog.