Abenteuer Bus Nummer Einunddreissig.

Wer in Zürich gewohnt hat oder wohnt, der weiss um ihn. Liebt oder hasst ihn. Schätzt ihn. Verabscheut ihn. Hat Respekt vor ihm. Gruselt sich es bitz vor ihm und freut sich um sein Dasein.

Der Bus 31 in Zürich. Der Busfahren für mich zum Abenteuer macht.

Mein Bus, wage ich hier gar zu sagen. Wenn man nämlich bedenkt, dass ich ja doch erst seit ungefähr drei Jahren in Zürich unterwegs bin, wurde ich doch unübersehbar oft in Ecken der Stadt katapultiert, die mit besagter Räder-Raupe zu erreichen sind. Angefangen hatte dies, als mein Bruder in Zürich wohnte – in meiner jetzigen Wohnung. Erreichbar mit dem 31ger. Es war Liebe auf den ersten Blick. Denn als ich Landei also zum ersten Mal aus dem Aargau zu Besuch in die grosse Stadt fuhr, folgte ich seiner Anweisung: „Nimmst einfach den 31ger Bus am HB, rosarotes Schildli mit weisser Schrift, ist gut angeschrieben.“ Und daran hielt ich mich, willens, das Chaos am Hauptbahnhof zu überleben, verzweifelt fest und als ich die Haltestelle erreichte und der richtige Bus tatsächlich einfuhr, leuchtete er in einer Wolke aus Gold und Silberglanz. Ich könnte schwören, er hat mir mit einem seiner Vorderlichter zugezwinkert!

Als ich dann vor ein paar Jahren einen Zürcher kennen- und eine WeileBus 31 lang lieben lernte, was denkt ihr, welcher Bus uns zum Restaurant unseres ersten Dates führen sollte? Jawoll! Der 31ger. Als besagter junger Mann dann ein paar Wochen später umzog und ich die vertrauten Worte vernahm: „Nimmst einfach den 31ger Bus am HB…“, jubelte ich innerlich und fühlte mich gerettet aus dem wilden Ozean bunter Tramschilder, denen ich nicht traute. Als ich dann selbst nach Zürich zog, war es mir ebenso vergönnt, täglich die 31ger Linie benützen zu können und natürlich war auch die Adresse meiner damaligen Coachin an derselben Buslinie – jedoch auf der „anderen Seite“. Und meine jetzige Wohnung in Zürich, liegt wie gesagt, einmal mehr an der Linie 31.

Aber Moment, ich sagte vorhin „andere Seite“. Was heisst das? Nun, der Bus fährt einen vom HB entweder auf die „eine Seite“, den Kreis 4, durch die Gebiete der Langstrasse, und auf die „andere Seite“ zum Central, dann rechts hoch Richtung Kunsthaus und weiter zum Hegibachplatz – was doch zwei ziemlich verschiedenartige Pflaster der Stadt sind und am Hauptbahnhof andere Menschen aussteigen, als einsteigen. Aber das muss man sich selbst einmal geben. Vielleicht ist das ein nächster Familienausflug? City-sightseeing mit dem 31ger Bus.

Da der Bus mich von meiner Haustür direkt zum Bahnhof fährt, oder auch zu meinem Schwimmbad, der Hardbrücke, dem Kino, meiner Cousine, und so weiter, ist das neben dem Tram Nr. 8 wohl mein meist genutztes öffentliches Verkehrsmittel in der Stadt. Mit der Zeit kennt man Tricks und Kniffe – mein Glück ist, dass ich die Haltestelle quasi vor meiner Haustüre vorfinde, sprich: wenn ich aus dem Haus gehe und den Bus einfahren sehe, und kurz einmal einen auf rekordverdächtiges Rennpferd mache, kann ich ihn mir mit etwas Glück doch noch schnappen. Wenn er jedoch noch da steht und mich nicht hineinlässt, kann das dann jeweils Anlass für lautes Gewieher meinerseits geben und ich glaube es kam auch schon vor, dass ich den mittleren Teil eines Vorderhufes in die Luft hielt und, nun ja, freundlich hinterher winkte. Dies schreibe ich in Vergangenheitsform, weil mich mein bester Freund vor kurzen informierte, dass Busfahrer amigs nicht extra die Türen geschlossen lassen und davon fahren, trotz dem Mami mit drei brüllenden Kindern und der alten Frau, die noch verzweifelt siebenmal auf den Türknopf drücken und an die Scheibe klopfen, damit sie doch noch mit einsteigen können, was dann alle Insassen des Busses veranlasst, innerlich auszurufen, wie unhöflich das ist, dieses Häuflein Menschen da draussen in der Kälte stehen zu lassen. (Ja, ausrufen im Bus tut man selbstverständlich nur innerlich. Verwirrt vom Handy aufschauen und starren ist okay.) Mir wurde nämlich erklärt, dass die Busfahrer ein Signal an die Ampel senden, sobald sie die Türen geschlossen haben und bereit zur Weiterfahrt sind. Dann müssen sie fahren, stehenbleiben geht nicht. Stelle man sich vor, der Busfahrer würde danach der brüllenden Familie und der alten Frau doch noch Einlass gewähren und dann kann er aber nicht fahren als die Ampel auf Grün springt, weil es drei Stunden dauert, bis alle samt Kinderwagen, Nuggi und Gehstock verstaut sind, würde er ja den gesamten Fahrplan durcheinander bringen. Und wenn das jeder machen würde? Dann wäre sie dahin, die berühmte Schweizer Pünktlichkeit. War euch das bewusst?! Mir nicht. An dieser Stelle nehme ich also alle gewinkten Mittelhufe zurück und habe künftig grösstes Verständnis.

Busfahren ist wahrlich ein Abenteuer! Wie gestern zum Beispiel. Ich hatte mich mit kratzendem Hals, laufender Nase, schwarzen Augenringe um die roten Augen im weissen Gesicht und sehr müden Gliedern auf die Weltreise zur Apotheke am Hauptbahnhof gemacht, kurz eine Freundin zur heissen Schoggi getroffen und freute mich danach nur noch erschöpft auf mein Sofa und den Bus, der mich dahin transportieren sollte. Es befanden sich durchschnittlich viele Leute an der Bushaltestelle, jedoch alle unter das Dach des kleinen Bushäuschen gepresst, da es regnete. Ich liebe Bushaltestellen und das Treiben, manchmal hasse ich sie auch. Zum Beispiel, wenn drei Menschen jeweils zehn Millimeter vor, neben und hinter mir stehen, obwohl sie auf alle Seiten Platz hätten. Und alle hören Musik. Laut. Und nicht derselbe Musikstil, nein. Zum Glück kenne ich den Trick 77, und platziere mich dann ganz vorne, wo es meist viel Platz an der Haltestelle und dann auch im Bus hat, während sich hinten alle stapeln. Gestern hechtete ich also dreissig Sekunden vor der Ankunft des Busses nach vorne in den Regen, stieg alleine vorne ein und ergatterte einen Platz im leeren Viererabteil vorne rechts. Ich mag normalerweise Viererabteile nicht so, da man beim Aussteigen über gefühlt tausend Beine klettern muss, aber gestern passte es irgendwie. Zum Glück hatte dann ein Herr italienischer Herkunft, wie ich später seinen Erzählungen entnehmen sollte, eine ca. 2.30 Meter lange Stange mit einer ebenso langen Flagge dran, auf der „Avec“ stand, bei sich und platzierte diese längs vor mein Viererabteil dem Gang entlang etwa auf Höhe der Sitzlehnen, so dass ich eingesperrt war. Quasi eine Absperrung. Ich fühlte mich zuerst etwas eingeengt und fand das nicht so toll. Ich wurde dann aber schnell durch die Geschichte des Herrn abgelenkt, denn er erzählte mir, sich selbst und den paar weiteren Passagieren um uns herum dann zehn mal, dass er die Stange gestohlen habe und mit nach Italien nehme – falls er nicht erwischt würde und man ihn einsperre, worauf ein schiefer Lacher folgte. Von ihm. Ich war sehr kurz davor, den Herrn darauf hinzuweisen, dass sich vielleicht noch andere Menschen in das grösste Abteil im Bus setzen möchten, und er doch die Stange an einem anderen Ort platzieren solle (UND DASS WIR ALLE DIE GESCHICHTE NOCH EIN ELFTES MAL HÖREN WOLLEN, BITTE. UNBEDINGT.). Ich hielt jedoch inne und musste schmunzeln. Denn ICH hatte ja meinen Platz – oder meine vier Plätze. Und die anderen Passagiere schienen lieber zu stehen und sich innerlich aufzuregen, als dass sie etwas gesagt hätten. Ich hörte sie förmlich fluchen, und irgendwie sahen sie alle ein bisschen aus wie Eulen. Starren, schweigen, innerlich wettern. „Was tut der jetzt da seine Stange hin, da könnten noch drei Leute sitzen, das muss ich gleich mal der Tanja whatsappen…“ – und schon klebten die grossen Augen wieder am Bildschirm. Also breitete ich mich entspannt aus, genoss den Ehrenplatz und danke dem Herrn innerlich für den gefülhten V.I.P Platz. Dass er seine Geschichte noch weitere siebenmal erzählte, versuchte ich auszublenden. Bei der Haltestelle Militär-/Langstrasse stieg er dann aus. Ich sah leider nicht, wie er das geschafft hatte, denn das geschah alles hinter mir, und so betete ich nur, dass alle Köpfe heil geblieben waren. Die Eulen schwiegen weiterhin und blinzelten süss, als sie sich neue Beute zum Starren suchten, um dann erneut in die Welt des Internets abzutauchen.

Jaja. Solche Sachen passieren da tagtäglich. Langweilig ist das nicht. Nie. Zumindest auf der Seite des Hauptbahnhofes nicht. Die andere Seite kenne ich nicht so gut. Wenn jemand darüber berichten mag, ich freu mich!

Gute Fahrt und immer schön die Taschen, oder auch die Stangen, in der Nähe behalten!

Die Kunst des Feuermachens

Man nehme ein Holzschiitli, lege es in den Kachelofen, zünde es an und es brenne lichterloh innert Sekunden und augenblicklich strömt eine wohlige Wärme durch die komplette Wohnung.

Vergiss es! Das ist ein Traum, den ich jeden Winter mindestens zehn mal träume, vor allem wenn ich spät Abends nach Hause komme und eine eiskalte Wohnung mich in ihre Arme schliessen möchte.

Mit einem Kachelofen als Heizung in seiner Wohnung zu leben ist wahrlich abenteuerlich. Dies tue ich nun seit bald zwei Jahren und hege eine leidenschaftliche Hass-Liebe gegenüber dieser Art des Wärmeschaffens. Dieser wird von der Küche aus beholzt (welch schönes Wort) und der wunderbar dunkelgrüne Kachelofen thront im Wohnzimmer. Gleich neben dem Ofen liegt das Zimmer meines Mitbewohners (ein Glück für ihn) und am weitesten entfernt vom Ofen liegt mein Zimmer. (ein Pech für mich) Ihr werdet wohl jetzt denken „oh wie romantisch, wie bei Grosi daheim, auf der Chouscht das Füdli wärmen!“ Nein. Ich habe keine Chouscht zum drauf sitzen. Ein Füdli schon. Aber das bleibt im Winter meist kalt.

Mit Holz heizen ist eine knifflige Sache.

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Angefangen beim Holz besorgen. Dies tue man bitte früh genug. Ich bin schon ZWEI mal – ja, ich lerne oft erst nachdem ich zweimal den selben beschissenen Fehler gemacht habe – in die Falle des zu späten Bestellens getappt, was wir dann im letzten Winter mit eineinhalb Wochen frieren, wiederholtem Haare und alle anderen Körperstellen föhnen, Backofen anstellen und auf heiss stellen, duschen, Wärmeflasche im Pulli tragen und sieben Schichten Kleider um den Leib stapeln, gebüsst hatten. Ach ja, in der Migros im Brunaupark gab es glücklicherweise 15 kg Kisten mit Holz, die ich dann durch das halbe Zürich von Migros zu Tram zu Tram zu Haustüre zu Ofen geschleppt hatte, nur um dasselbe zwei Tage später zu wiederholen. Luxusholz, alles! Wir sind eben keine Schwedenofen-Gesellschaft! Wir brauchen was Rechtes! Als die Holzlieferung dann endlich kam, hatten wir uns schon fast daran gewöhnt und man staunt, mit wie wenig Wärme der Mensch auskommt wenn es dann sein muss und in jeder „normal“ beheizten Wohnung lief mir der Schweiss nur so. Da fiel mir erst einmal auf, wie überheizt viele Wohnungen bei uns sind. Dabei würde ein Pulli mehr oft schon so viel ausmachen. Trotzdem waren wir dankbar und lernten die Wärme von ganzem Herzen neu schätzen. Ich finde ja, es hat etwas sehr Schönes, wenn man für seine eigene Wärme verantwortlich ist. Wenn man denn etwas zum Wärme erzeugen hat. ;)

Dann beachte man als weiteren Punkt die Sicherheit vor und während des Heizvorgangs. Wenn der Ofen heiss wird, dann wird er eben wirklich heiss. Auch das Türli, das man öffnet, um Schiitli nachzulegen. Bis ich das kapiert habe, habe ich einige Brandblasen davon getragen! Und bitte zieht niemals, NIEMALS, weisse Trainerhosen an zum Feuer machen. Nicht, dass mir das schon einmal passiert wäre, ach was. Zum Beispiel an meinem allerersten Morgen in der Wohnung, bei meinem allerersten Feuer. Das sage ich nur so. Rein präventiv. Achja, auch habe ich beim Holz holen (das lagert im Keller und wir holen dann etappenweise Ikeasäcke voller Schiitli in die Küche) den Kopf (ja, auch zweimal, Mist!) an der Ecke des Holztablars, das oberhalb des Ofens an der Wand befestigt ist, gestossen. Gestossen? Aufgespiesst hat mich die Ecke. Das war Absicht! Da ist tatsächlich heute noch eine Delle – also nicht im Tablar. Wenn man also vorsichtig ist, dann klappt’s auch ohne weitere Zwischenfälle. Da darf ich mir nach zwei Wintern und kurz vor der dritten Kälteperiode – die letzte ging ja nur bis Mai… –  auf die Schulter klopfen: Ja, ich bin ein Profi!

Es kommt aber auch auf das Holz an! Auf die Art und auf die Menge der Feuchtigkeit, die da noch drin ist. Die letzte Lieferung war nicht trocken genug. Nur um ein paar Prozent, wie das die Frau Feuer-Instruktorin mit einem Messgerät eines kalten Morgens um halb acht festgestellt hatte, jedoch reichte das, um uns schier in den Wahnsinn zu treiben. Das zischte, tropfte, und gab Geräusche von sich, die wir heute noch nicht nachahmen können. Zudem handelte es sich um irgend ein durcheinander gemischtes Laubholz, das kaum im Ofen, schon zu Asche wurde. Leider hiess das auch, dass wir Unmengen an Holz verfeuerten. Ich benutze am Liebsten Buchenholz. Einmal doch fast Mahagoni, das ich jedoch erst in Form einer Gitarre in meiner Wohnung begrüssen durfte – und wenn ich die da hineingeschmissen hätte, wäre jemand ganz schön mordlustig geworden… dann eben Buche. Die brennt ganz gut und nicht allzu schnell.

Ich bin ein Mensch, der sehr strukturiert chaotisch arbeitet. Am besten drei Dinge parallel beginnen und dann zwischen den dreien hin und her wechseln, ganz nach Lust und Laune. Dies funktioniert jedoch beim Feuer machen definitiv nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, das Feuer ist eine (ziemlich fiese) Person, die mich kichernd, wenn sie das denn könnte, daran mahnt, mit meinem Kopf und meiner Aufmerksamkeit bei einer Sache zu bleiben und mich nicht immer wie ein junger Hund zu verzetteln um mich dann am Kopf kratzend zu fragen, weshalb ich denn eigentlich schon wieder in die Küche wollte. Also habe ich oft das Feuer entzündet, zu Beginn noch mit Zeitung (sagt das niemandem) als Starthilfe, und als es schön vor sich hin brannte, dachte ich, ich könnte währenddessen das Wasser für Spaghetti aufsetzen und währenddessen ein paar e-mails beantworten und währenddessen die neu gekaufte CD in’s iTunes einlesen. Als ich dann in den Ofen guckte und das Feuer zischend ausgegangen war, kochte parallel das Wasser auf dem Herd zischend über und ich stand in der Mitte der beiden Geschehnisse und just in der Sekunde, als ich mich entschieden hatte, erst das Wasser zu stoppen und DANN das Feuer neu zu entfachen, erschrak ich fürchterlich, als es zweimal „bling“ aus meinem MacBook machte und die CD somit fertig eingelesen war und die erste Antwort auf mein e-mail da war. FOKUS! Also gewöhnte ich mir an, das Feuer in aller Ruhe (soviel Ruhe wie eben möglich ist, wenn einem fast die Zehen abfrieren) zu machen und mich vor den Ofen zu setzen und zu warten, bis es sicher brennt. Es ist schon fast ein kleines Ritual für mich. Erst dann widme ich mich anderen Tätigkeiten. So fühle ich mich unglaublich feuerkompetent. Was das fiese Feuerpersöndli jedoch nie davon abhält, nach Lust und Laune wieder zu verpuffen und grundlos auszugehen. Ja, ausgehen passt. Sauhaufen, diese Feuermonster haben wohl auch ihre Ausgangsphasen.

Mit Feuer machen ist aber noch lange nicht die Arbeit getan! Denn wenn es schnell gehen muss ist eine gewisse Strategie gefragt. Dann werden alle Zimmertüren geschlossen und das Wohnzimmer wird als erstes warm. Ist die Stube dann zu warm, kann man die Zimmertüren wieder öffnen und die kalte und warme Luft vermischen sich und es wird angenehm in der ganzen Wohnung. Im eisigen vorletzten Winter (meinem ersten in dieser Wohnung, was bestimmt ein gemeiner Test war!), hatte ich meine Matratze tatsächlich über eine Woche lang im Wohnzimmer und mein Zimmer (liebevoll in „Sibirien“ umgetauft) betrat ich nur, wenn ich Kleider oder sonst etwas brauchte. Bis ca. 5 Grad Celsius ist es kein Problem, die ganze Wohnung relativ schnell warm zu kriegen. Alles von da bis um die Null Grad Grenze ist etwas mühsamer. Alles, was kälter ist als das, ist schlicht UNMENSCHLICH. Aber da kommt ja nicht so oft vor. Das sind dann aber auch diese Momente, wo ich mir eine ganz normale, bequeme Heizung wünsche und ich muss mir alle Vorteile wie niedrige Miete, Umwelt, Romantik und Entschleunigung mit rotem Lippenstift (sofern er nicht eingefroren ist) an den Spiegel schreiben, um mich daran zu erinnern, dass das Heizen mit Holz doch seine schönen und guten Seiten hat.

Kennt man die Tricks und Kniffe, wird es sogar zum Genuss und ich liebe es, wenn der Ofen heiss ist, es herrlich knistert und die heisse Glut klirrt, meine Wangen rot werden, wenn ich Holz nachlege, und ich mich dann in mein Sofa kuschle, mich von der wohligen Wärme des Holzofens glücklich machen lasse und bei einer Tasse Tee draussen den Schneeflocken zuschaue. Da lohnen sich der Aufwand und die Nerven, die zwischendurch mal verloren gehen, eben doch.

Und: Im Sommer hat man plötzlich ganz viel Zeit!

Lieber Winter, ich bin bereit. Du darfst kommen.

Kabarett Tagesschau!

Vorhin kam mein Mitbewohner aus seinem Zimmer und kündete an, dass er Tagesschauen lustig fände. Es bedurfte eines kurzen Moments des Innehaltens meinerseits, welches mit meinem zustimmenden Nicken abgerundet wurde. In der Tat sind Tagesschauen eine durchaus kurlige Angelegenheit! Mein Mitbewohner umschrieb sie als „zwölfminütiges Kabarett über den Tag.“ Ich ging dem noch etwas nach und erinnerte mich an die Zeiten, als ich mir selbst noch die Tagesschau zu Gemüte führte. Heute besitze ich nämlich gar keinen Fernseher mehr.

Schon als Kind habe ich mich nämlich gerne um 19:25 Uhr vor den Fernseher gesetzt, um das Familienabenteuer Tagesschau einzuleiten. Gleich nach dem Werbeblock, der mich stets zu Ratespielen animierte, erklang die pompöse Anfangsmusik, die auch meine Mutter aus dem Badezimmer auf das Sofa lockte. Vielleicht lösen solche Tagesschau-Jingles bei mir deshalb heute noch ein wohliges Gefühl aus. Es hatte fast schon etwas Rituelles. Ein Moment des Zusammenkommens. Das Tagesmekka. Dabei interessierte ich mich meist nicht so sehr für das, was erzählt wurde. Das war ja sowieso jeden Tag gleich schlimm. Diesen Filter habe ich mir irgendwann einmal installiert, weil ich fand, dass das alles immer so negativ dargestellt war und ich danach nicht mehr schlafen konnte, weil ich traurig war. Die Welt konnte doch nicht so schlimm sein, als dass man nur negative Ereignisse in eine so neutral klingende „Tages-Schau“ einband. Ich wollte aber auch nicht auf das Familienzusammensein verzichten.

Also machte ich mir die Tagesschau zur Studie. Mich interessierte, wie oft die Sprecherin oder der Sprecher seine Augen auf das Blatt, das er in seinen Händen hielt, senkte, ob die Hände zitterten, wie stark die Gesichter geschminkt waren, welche Kleider sie trugen, bzw. welchen Grauton, ob die Frisur sass, wie reibungslos die Übergänge von Studio zu Aussenkorrespondenz lief und wieder zurück. Ich hielt die peinliche Stille manchmal kaum aus, wenn bei einer Live-Schaltung eine dermassen zeitraubende Verzögerung passierte, dass weder Aussenkorrespondent noch Sprecher wusste, wer jetzt als nächstes redete und erst, nachdem beide dreimal gleichzeitig zu sprechen begonnen hatten, fanden sie ihren Rhythmus – und ich konnte wieder atmen. Diese Spannung war schlimmer als in jedem Krimi! (Anm. der Autorin: Natürlich durfte ich in dem Alter keine Krimis schauen.) Was war ich erleichtert wenn alles wieder nach Plan lief.

Ich wunderte mich, ob sie auswendig gelernt hatten, was sie zu sagen hatten und auf ihren Zetteln eigentlich gar nichts stand, litt dann aber mit, als ich realisierte, dass doch etwas da zu stehen schien und sie ein Durcheinander mit der Reihenfolge bekamen (der fiese Scherz eines Kollegen?) und bewunderte ihre Improvisationskünste, mit denen sie diese Momente überbrückten. Ich zählte die Momente, in denen ein Lächeln über das Gesicht der Sprecher huschte und war frustriert über die niedrige Quote. Ich wunderte mich, ob sie privat auch so emotionslos und grau waren, wie sie sich vor der Kamera präsentierten. Ich fragte mich, ob sie spezielle Schulungen absolviert hatten, um das Sprechen zu lernen, ohne einen Gesichtsmuskel zu verziehen. Ich hörte mir die Stimme derjenigen an, die die Bilderberichte lasen und versuchte aufgrund des Sprechorgans herauszufinden, wie nervös jemand war, wie lange schon dabei, wie alt – oft schien das sehr einfach. Ich liebte Interviews mit irgendwelchen Menschen auf den Strassen der Welt und deren überraschend gekonnte oder doch eher tolpatschige Art, zu antworten. Ich hasste das furchtbare Deutsch der Politiker schon damals und wunderte mich, ob ich das in der Schule wohl auch lernen müsste. Hochdeutsch als Hauptfach, Politikerdeutsch im Nebenfach. Ich machte mir ein Spiel daraus, die Teilnehmer am Kabarett „Tagesschau“ einzuordnen, zu etikettieren, mit Qualitäten, Charaktereigenschaften, Stärken und Schwächen auszustatten und meine Menschenkenntnis so zu vertiefen. Ich bewunderte diejenigen, die die Bilder zusammenschnitten, die den Text dazu schrieben, so dass es genau übereinstimmte. Ich war beeindruckt ob dem Orchester, das da jeden Abend vorbereitet und dem Publikum fast fehlerlos überliefert wurde. Eine wahre Kunst! Meist war ich danach inspiriert und beeindruckt ob der Breite, Tiefe und Skurrilität des menschlichen Wesens, war überwältigt von der Vielfalt der Menschengruppen, erfüllt mit Fragen über die Gefahr der Interpration solcher Neuigkeiten – ja oft wollte ich mich am liebsten danach an jeden Tisch in jedem Haushalt der Schweiz setzen um zu lauschen, wer auf welche Art und Weise das Gehörte interpretiert hat. Nur dass ich ja selbst oft gar nicht mehr wusste, was berichtet worden war.

Nach der Werbepause kam dann immer die Kirsche auf dem Sahnehäubchen: Der Wetterbericht. Das war noch vor der Zeit, als die armen Wetterfeen von Meteo auf dem Dach standen und Wind und Wetter ausgesetzt waren. Damals waren sie noch im Studio und hinter ihnen erschienen die geographischen Karten. Ich sah vor meinem inneren Auge einen müden, etwas älteren Herrn an einem Tisch mit einem Knopf sitzen, um diesen Sandwich essend zu tätigen, sobald Herr Bucheli mit dem Teil der Niederschläge/Temperaturen/Vorhersagen durch war und die nächste Ansicht an die Reihe kam. Diese lieben Wetterfrösche hatten es, so beobachtete ich das, weit schwieriger als die Sprecher in der Tagesschau. Sie mussten ihre Arbeitszeit im Stehen absolvieren und da gab es keinen Raum für Notizen – höchstens vielleicht einen Bildschirm, der sich neben der Kamera befand. So oft wie sie jedoch in Richtung Karte schauten, mussten sie die Kunst mindestens teilweise beherrschen, aus dem Stegreif die richtigen Worte zu zaubern. Ich schämte mich ein bisschen, als ich mich dabei ertappte, dass ich den Wetterbericht vor allem wegen möglichen Versprechern schaute. Wenn dann Sätze fielen wie: „Heute ist das Wetter wieder Wetter“, oder den Zuschauern „einen Abend“ gewünscht wurde, war mein Tag perfekt und ich quietschte vor Vergnügen, was meine Eltern wohl manchmal etwas an meiner Intelligenz zweifeln hat lassen. Im Kleinen liegt das Glück, oder wie sagt man so schön?

Deshalb, nach dieser kleinen Reflexion über die Aussage meines Mitbewohners kann ich ihm erst richtig und von Herzen zustimmen. Tagesschauen sind wahre Kabaretts, ein Zirkus, ein Spiel, ein Theater! Und für mich sind sie eine verzerrte, eingeschwärzte, negativ gefilterte Wiedergabe dessen, was in der Welt geschieht. Wobei das ja lange nicht alles ist. Wo bleibt alles Schöne? Ich will nämlich gern wissen, warum es lohnenswert ist, hier zu sein und nicht, wer wieder wem den Hintern versohlt hat, nur weil sein Ego zu gross ist. Und wir machen trotzdem unsere hungrigen Münder auf und fressen, was wir bekommen. Und wundern uns, wenn unsere Welt zu Grunde geht und wir mit Regenwolken über dem Kopf herumspazieren. Ich wünsche mir positive Nachrichten, oder dann bitte ein richtiges Kabarett, so mit bunten Kostümen oder so!

Damit der Mensch auch weiss, dass er nicht alles ganz so ernst nehmen soll. ;)

Zukunftskaffee

Du kennt diese Momente sicherlich auch, wenn du am Küchentisch gemütlich eine Tasse Kaffee schlürfst, eigentlich ganz zufrieden mit deinem Leben. Denn du hast einen ordentlichen Job, daneben genügend Freizeit für Hobbies und Freunde und eine schöne Wohnung. Und doch meldet sich meist in genau diesen Momenten dieses Gefühl. Ein Ziehen in der Magengegend. Zuerst nur so leicht, dass es einfach zu ignorieren ist. Das tue ich zum Beispiel dann ganz gern. Bis es etwas stärker wird und als es schliesslich nach Aufmerksamkeit schreit und pausenlos an der Türe klingelt, nämlich während besagter Tasse Kaffee in der Küche, muss ich wohl oder übel die Wohnungstüre öffnen und es herein lassen.

Es setzt sich ganz schön zielstrebig zu mir an den Tisch. „Na, du siehst aber zufrieden aus!“ grinst es und schaut mir direkt in die Augen. Ich würde ihm jetzt schon am liebsten die Fresse polieren. Ich versuche, mich auf die Tasse Kaffee zu konzentrieren. „Kriege ich auch eine Tasse?“ fragt das Gefühl nun und ich mache ihm einen Kaffee, übertrieben langsam, in der Hoffnung dass das Gefühl in Eile sei und weitere Termine wahrnehmen möchte. „Ich habe Zeit“, meint es, als ob es meine Gedanken lesen könnte. Natürlich hat es Zeit. Über meinem Kopf bildet sich eine dunkle Gewitterwolke. Mir schwant Übles. „Zucker? Milch?“ – „Schwarz.“ Ich stelle dem Gefühl die Tasse vor die Nase und meide den Blickkontakt. Ich setze mich hin und schlürfe weiter an meinem Kaffee, der mir nur noch halb so gut schmeckt wie noch vor zehn Minuten. „So, dann lass uns doch mal über dich sprechen“, sagt das Gefühl und irgendwie wird mir schlecht. „Warum?“ frage ich und es blitzt über mir aus dem nun fast schwarzen Wolkenturm. Hoffentlich kommt da kein Regen raus, ich möchte meinen Kaffee unverdünnt geniessen. Ich behalte meine Tasse im Blickfeld. „Du sahst eben so zufrieden aus, dass ich mich wundere was deine nächsten Pläne sind. Na?“ Ich schweige und denke einen Moment lang nach. Das Gefühl entschuldigt sich kurz und verschwindet auf die Toilette.

Jetzt wäre meine Gelegenheit. Soll ich aufstehen und davonrennen? Ich könnte aus der Tür und einfach weg und nie mehr wiederkommen! Oder aus dem Zimmerfenster. Ich überlege, wo ich meinen Geldbeutel liegen habe, wo mein Handy, zu wem ich fahren könnte, wen ich im Ausland kenne und ob ich es schaffe, innerhalb der nächsten drei Minuten meine sieben Sachen zu packen und zu verschwinden. Und schon höre ich die Spülung. Mist. Ich frage mich, warum ich unbedingt fliehen will und seufze tief. Natürlich weiss ich nicht, was meine nächsten Pläne sind und wenn ich ganz ehrlich bin, dann will ich auch auf dem bequemen Gaul der Planlosigkeit sitzen bleiben. Nur ein bisschen noch. So zwei drei Jahre?
Vielleicht lässt das Gefühl ja mit sich verhandeln. Ich könnte ihm Geld anbieten, oder meine Wohnung. Oder sonst etwas, was mir Zeit schenkt und womit ich das bevorstehende Gespräch um ein paar Jahre hinausschieben könnte. Was wohl so ein Gefühl gern hat? Essen? Oder eine Uhr? Mein Mitbewohner hat irgendwo eine herumliegen, die könnte ich ihm doch schenken – der merkt das sicher nicht. Oder noch besser, ich könnte das Gefühl zu ihm schicken, da wäre seine Erfolgsquote sicher besser, die kriegen ja sicherlich Umsatzbeteiligungen in der Branche…

Und schon sitzt das Gefühl wieder an meinem Tisch und nippt ruhig an seinem Kaffee. Ich wage einen Blick in seine Augen und es lächelt mich an. „Na, bist du endlich bereit?“ – „äh… nein..!?“ Ich schaue wieder weg. „Na, das habe ich auch nicht erwartet.“, lächelt es. Jetzt weiss ich gar nicht mehr, was ich darauf sagen soll und es donnert mächtig aus der Wolke über meinem Kopf. Also geht es eigentlich noch, solch eine abwertende Aussage zu machen! Blöd bin ich nun ganz sicher nicht! Und schon gar nicht langsam! Herrje, muss ich mich dem Thema denn nun wirklich stellen? Ich will doch gar nicht. Das heisst, eigentlich ist das nicht ganz korrekt. Ich will ja schon. Ich weiss es einfach wirklich nicht. Ich weiss nicht was ich will. Ich weiss nicht, wohin mein Weg führen soll. Ich bewundere Menschen, die eine Zielstrebigkeit an den Tag legen, als wüssten sie schon vor der Geburt, was aus ihnen einmal wird. Menschen, die etwas Neues erfinden, eine Musikerkarriere hinlegen, geborene Schreiner sind, Bücher schreiben oder als Lehrer ihr Glück finden und kompromisslos ihren Traum dessen, was sie glücklich macht und was sie gut können, leben. Ich wünsche mir, ich hätte EINE Leidenschaft, die mein Leben so dominiert, dass ich nicht mit diesem elend nervigen Gefühl hier an einem Tisch sitzen müsste! Ich kann ein paar Sachen ziemlich okay aber ich verzettle mich ständig, weil ich mich nicht entscheiden kann und morgen das, was ich heute noch als Ziel sah, bereits ersetzt und vergessen habe um übermorgen wieder etwas Neues zu finden. Schlimmer als ein junger Hund. Fokus ist nicht meine Stärke. Vielleicht gibt es irgend eine Karriere im Zerstreutheitsmanagement? „Wie entkomme ich der geordneten Einfachheit“. Darin wäre ich gut. Profi. Gewinnerin aller existierenden Preise. Ich höre ständig „mach doch einfach dies, tu doch das.“ Das mache ich ja auch. Heute dies. Morgen das. Lustig ist das ja schon. Aber wohin das führt, weiss irgendwie niemand. Oder?

„Musst du denn jetzt in diesem Moment wissen, wohin dich das alles führt, was du so machst?“ fragt mich das Gefühl und holt mich aus meinen Gedanken zurück in die Realität. Verblüfft starre ich es an und bevor ich etwas sagen kann, ergreift es das Wort: „Natürlich kann ich deine Gedanken lesen, was hast du denn gedacht.“ Es grinst. Blöde Kuh, denke ich. Und es grinst noch breiter. „Vielleicht reicht es, dass du einfach weiterhin das tust, was dir Freude bereitet. Heute dies, morgen das. Vielleicht ist dein Weg keine gerade Autobahn. Vielleicht ist dein Weg einer, der sich durch Täler und über Berge schlängelt. Manchmal musst du ihn vielleicht auch suchen oder es gibt noch gar keinen und dann musst du ihn dir halt machen. Aber es ist deiner! Und irgendwo kannst du zurückblicken und weißt genau, warum du an jener Abbiegung links gegangen bist und warum dein Weg so ist wie er ist und du ihn manchmal als ziellos empfunden hast. Vertrau darauf und geh einfach weiter.“ Ich schaue dem Gefühl nun in die Augen und es ist gar nicht mehr so gefährlich, wie am Anfang, nein eigentlich wirkt es ganz freundlich. „Hm. Und ich dachte, du gehst nicht bevor ich dir einen Plan präsentiere…“ Das Gefühl lacht schallend und meint: „Pläne sind gut, aber noch wichtiger ist, dass Taten da sind. Du kannst noch so lange Pläne schmieden, wenn du sie nicht umsetzt sind sie wertlos. Ich wollte dich nur daran erinnern.“

Bevor ich eine kluge Antwort formulieren kann, bedankt sich das Gefühl für den Kaffee, steht auf und geht. Ja, und dann ist es wirklich einfach wieder weg. Zumindest für den Moment. Die sind ja so zuverlässig und laden sich stets erneut selbst zum Kaffee ein. Wie viel es wohl für diesen Besuch verdient? Vielleicht wäre das auch eine Richtung, die ich einschlagen könnte… „Diplomiertes zukunftsorientiertes Ziehen im Magen“. „Master of Zukunftskaffee“. Oder so. Wir werden sehen. Einen Schritt vor den andern.

Stille.

Des Innehaltenden Herz erstrahlt
Als die Stille sich ihr Kunstwerk malt
Er wiegt es in seinen Armen

Der Lärm der Welt lässt nichts unversucht
Als er Zugang zu der Stille sucht
Er findet nur Erbarmen

Der Leise lässt sie durch den Verstand
Als sie sich ihm zeigt, nimmt er ihre Hand
Und lässt sie bei sich verweilen

Die Stille sucht sich ihren Ort
Als der Laute denkt nun ist sie fort
Überall zwischen den Zeilen

 

Melodie für die Sterne

Sing deine Melodie
Auch wenn du glaubst
Man hört sie nicht

Sing sie für die Blumen
Für die Wolken
Für die Sonne
Für die Sterne

Es ist immer jemand da
Der sie hört

Vielleicht nicht er
Vielleicht nicht sie
Vielleicht nicht die
Die du dir wünschst

Es ist immer jemand da
Der dich hört

Der dich sieht
Der dich liebt

Sing deine Melodie
Auch wenn du glaubst
man hört sie nicht

Eine kleine Geschichte über das Selbstbewusstsein.

An einem ganz normalen Montagmorgen im Gemeinschaftsraum des teuersten Internats im Land. Es ist wirklich teuer. Die Eingangshalle erinnert an Hogwarts, verfügt aber wohl noch über einige Treppen, Türme und Zimmer mehr. Dies ist sogar nur das Mädchengebäude. Das Gebäude für die Jungs befindet sich auf der anderen Seite des Flusses. Jedes Mädchen hat einen eigenen Kühlschrank in ihrem Einzelzimmer. Die drei Klassenbesten erhalten sogar einen Fernseher, den sie zwischen 18 und 20 Uhr für eine halbe Stunde einschalten dürfen. Ein sehr teures Internat, wo die Schülerinnen und Schüler tagsüber Mathematik und Sprachen, Geografie und Geschichte büffeln und dazwischen vorzu lernen, wie das Leben funktioniert. Soeben sind alle Kühlschränke in den Zimmern der Mädchen überprüft worden. Die Leiterin und ein besonders kleines Mädchen sitzen zusammen am Tisch.

Mit grossen Augen und ungläubigem Blick schaut die sie das Mädchen an.

„Wo ist denn der Kühlschrank in deinem Zimmer?“

Sie antwortet leise, so dass die Leiterin gut zuhören muss, um sie zu verstehen. Aber das tut sie nicht bewusst. Einfach nur, weil es ihre Art ist, leise zu sein.

„Ich habe gar keinen Kühlschrank im Zimmer wie alle andern… Ich habe im grossen Gemeinschaftskühlschrank in der Küche etwas Platz gefunden… in einem kleinen Fach.“

Die Leiterin verschwindet in die Küche und öffnet den grossen Kühlschrank. Darin entdeckt sie im kleinsten Fach ganz hinten eine kleine unauffällige Box, auf der unauffällig ihr Name steht. Sie geht zurück zu ihr und packt sie an der Schulter.

„Du scheinst wirklich nichts dazugelernt zu haben, was? Darüber habt ihr doch erst gestern etwas gelesen. Es hilft dir wirklich nicht, wenn du das Opfer spielst. Ich denke du bist ein kluges Mädchen. Gerade in den Lebensfächern stellst du als Einzige immer Fragen, während die andern Unfug treiben. Aber es käme dir wohl nicht in den Sinn, etwas zu sagen, dir einen Kühlschrank zu besorgen oder mehr Platz zu schaffen? So wie alle andern das tun? Dabei waren wir doch auf einem so guten Weg, dein Selbstbewusstsein zu stärken und du vergisst einfach wieder, was es heisst „selbstbewusst“ zu sein! Was machen wir bloss mit dir!“

Die Leiterin wird nun noch eine halbe Stunde weiterreden, das weiss sie. Darum rückt sie sich die unauffällige Brille, durch deren Gläser ihre traurigen Augen riesig scheinen, auf ihrer kleinen Nase vorsichtig mit ihrem linken Zeigefinger zurecht und erhebt sich, was die Leiterin wiederum dazu veranlasst, verwirrt innezuhalten und sie diese Pause ruhig nutzen kann. Sie redet auch jetzt leise. Aber bestimmt.

„Es ist aber so, dass ich gar keinen eigenen Kühlschrank im Zimmer brauche – und genauso wenig Platz im Gemeinschaftskühlschrank benötige ich. Auch wenn das bei allen anderen so sein mag, ich bin nicht so und will so auch  nicht sein, nur weil alle andern es sind. Darum glaube ich, sehr wohl etwas gelernt zu haben über das Selbstbewusstsein.“

Als sie den Raum verlässt, bleibt die Leiterin noch eine geraume Weile schweigend sitzen.

Ein Moment mit der fremden Frau.

Da stand sie. An einem vernebelten Dienstagmorgen um ziemlich genau fünf vor acht Uhr. Als sie zum Gleis trat, das Einzige an diesem Bahnhof, schaute sie langsam um sich. Nicht, dass sie das nicht schon millionenmal getan hätte, aber sie staunte jedes Mal aufs Neue. Es war wohl der kleinste Bahnhof der Welt. Neben einem winzigen, wohl früher einmal sattgrünen und heute grauen Unterstand mit leichtem Grünschimmer, den sich eine gespaltene Holzbank mit einem merkwürdig aussehenden alten Billet-Automaten teilte, der so viel Platz in Anspruch nahm, dass sich höchstens drei weitere Menschen im Falle eines Platzregens Unterschlupf sichern konnten – sofern es sich um kurze und schlanke Menschen handelte – befand sich eine mikrige Holzhütte. Wenn man dieses Gebilde denn auch Hütte nennen durfte. Ganz oben beim Dach hing ein Schild, dessen linker Nagel wohl schon länger das Zeitliche gesegnet hatte und man den Kopf folglich um 45 Grad nach links biegen musste, um zu erkennen, dass darauf ein vergilbter Schriftzug zu lesen sein könnte. Kiosk. Links davon ein Zigarettenautomat. Das war alles. Kein Fahrplan, kein Ticketschalter und schon gar keine Toilette, wie sie ärgerlich bemerkte.

Der kleinste Bahnhof des Universums und sie war da. Ein tiefer Atemzug und der Gedanke, dass sie nun wohl das Beste daraus zu machen hätte, liessen sie die paar wenigen Schritte zum Kiosk hinübergehen und das Angebot an Lektüre studieren. Schliesslich hatte sie einen langen Weg vor sich. Sie war ja nicht gekommen. Sie würde gehen. Für immer. Sie hatte sich noch nicht entschieden, in welche Richtung sie fahren würde. Sie würde den ersten Zug nehmen, der kam. Und das könnte dauern, denn sie hatte im Dorfladen zwischen Früchten und Gemüse, mit einer saftigen Tomate in der Hand einmal aufgeschnappt, dass die Züge hier noch immer nur dreimal pro Richtung pro Tag fahren sollen. Sei es so. Ein Wunder dass der Kiosk so früh am Morgen bereits bedient war. Nach gefühlt einer Sekunde hatte sie sich die Titelblätter der angebotenen Zeitungen, die am Kiosk zu finden waren, bereits zu Gemüte geführt und ein kleiner Kloss bildete sich im hinteren Teil ihres Rachens. Im Gegenteil zu wahrscheinlich überall, waren hier aus Platzmangel statt wie üblich mindestens zehn verschiedene lokale, fünf weitere nationale und noch etwa sieben internationale Blättern gerade einmal drei Zeitungen zum Verkauf ausgestellt. Davon die eine von gestern. Und alle regional. Merkwürdig. Sie stellte sich vor, dass die Vertreiber der internationalen und sogar der nationalen Zeitungen diesen Ort für die Auslieferungen versehentlich – oder auch nicht – übersehen hatten oder er aus Spargründen gestrichen worden war. Eine kluge Entscheidung. Eigentlich wollte sie ja alles, was mit diesem Ort und mit dieser Region im Zusammenhang stand, genau hier lassen. Alles, das sie in irgendeiner Art und Weise an das Hier erinnern könnte, sollte bleiben. Aber da sie ja ihren Kopf auch nicht da lassen konnte, hatte sie die Wahl zwischen den tausenden Gedanken, die sie einholen würden, sobald sie im Zug sitzen würde, oder einer Ablenkung in Form von einem Blättchen, das den neuesten Klatsch und Tratsch in – Moment – zwanzig, fünfzehn oder dreizehn Seiten verraten würde.

Sie kaufte sie alle. Auch die von gestern. Sie würde sie alle lesen, vergleichen und schliesslich ihr Lieblingsspiel seit sie lesen konnte daraus machen. Fehler suchen. Man könnte meinen, Journalisten müssten aus Angst vor einer Blamage ihre eigenen Fehler aufspüren, in ihren eigenen Texten, die sie eigenhändig entworfen, eigenhändig verfasst, eigenhändig als gut eingestuft und eigenhändig an die Redaktion weitergeleitet hatten. Anscheinend waren auch Journalisten nur Menschen. Früher hatte sie jeden Abend neben ihrem Vater ungeduldig gewartet bis er ihr den Teil mit Klatsch und Tratsch über dies und jenes abtrat. Er liess sich meist Zeit und nutzte die Chance, wenn sein Töchterlein schon so selten ruhig in seiner Nähe war, sie über Dinge wie Politik, Wirtschaft oder Sport zu langweilen. Sie hörte nie zu. Erst als er ihren glasigen Blick bemerkte, was oftmals eine geraume Weile dauern konnte, und sie ihm auch auf Dinge, die keine Sinn ergaben, ein freundliches Nicken schenkte, gab er nach und warf ihr mit einem Seufzen den Zeitungsteil zu. An Ort und Stelle warf sie sich dann jeweils auf den Boden, legte sich auf den Bauch und winkelte die Knie an um die Füsse in die Luft zu strecken, während sie, am immer kläglicher dreinschauenden Bleistift kauend, Fehler suchte. Und fand. Sie merkte sich die Kürzel der Verfasser besonders fehlerhafter Texte und als diese sich irgendwann auffällig oft wiederholten, legte sie sogar eine Liste an. Bald schon fand sie heraus, wer genau arbeitete und wer nicht. Sie zog Bilanzen, verglich die Resultate verschiedener Zeitungen und machte sich ein Hobby daraus, das sie bis heute immer wieder begleitete.

Der laute Krach von etwas, das sich von irgendwoher auf den Boden gestürzt haben musste, riss sie schliesslich wieder zurück in das Hier und jetzt. Es war das Kiosk Schild, dessen einziger und letzter Nagel sich von seinem Leben als Nagel verabschiedete, nachdem er mehr als ein Jahr lang für sich und seinen Nagelfreund doppelte Arbeit geleistet hatte. Das Schild war flach zu Boden gefallen.
Das war gut so, denn er holte sie wieder in die Gegenwart zurück. Da stand ihr Zug. Sie stieg ein und fuhr weg. Schade eigentlich. Gerne hätte ich gewusst, woher sie kam, die fremde Frau, und wohin sie ging.

Barfuss.

Zwei Füsse. Sie sehen spiegelverkehrt so ziemlich gleich aus. Sie sind also spiegelverkehrt identisch. Und doch könnten sie unterschiedlicher nicht sein.

Mit dem einen Fuss, dem Linken, stehst du fest auf dem Boden. Er trägt dich in die Welt hinaus, die Welt der Ereignisse und Events, beginnend mit dem morgendlichen Aufstehen. Er trägt dich vom Bett ins Bad, vom Bad in die Küche, von der Küche zurück ins Bad, vom Bad zum Eingang, von der Wohnungstüre in die Stadt und zum Bahnhof, in den Zug, vom Zug in den Bus, vom Bus ins Büro. Vom Bürostuhl zur Kaffeemaschine, zum Drucker, ins Lager, aufs Klo, in den Mittag, zu den abgelegten Dokumenten, zum Kopierer, er trägt dich pflichtbewusst durch den Tag, bringt dich zum Briefkasten, zur nahegelegenen Tankstelle für eine Zwischenverpflegung. Kurz vor 17 Uhr kann er es kaum erwarten, dich zur Bushaltestelle zu führen, in den Bus zu hüpfen, aus dem Bus, in den Zug, im Zug etwas im Rhythmus zur Musik vom iPod zu tappen, aus dem Zug zu steigen, durch die Stadt zu marschieren, durch einen Schuhladen zu schlendern, durch den Supermarkt zu eilen und schlussendlich den Stiefel abzuschütteln, um in die Dusche zu hüpfen, aus der Dusche, in die Küche zu tapsen und dann in die schönen edlen neuen Ballerinas zu schlüpfen. Hinaus in die Stadt, stolz und fest am Boden, in das benachbarte Pub, in ein nächstes Pub, von da in den naheliegenden Club, wo er dich tanzen lässt, die ganze Nacht, bis er nicht mehr stehen kann und dich morgens um fünf nach Hause schleppt, wo er sich endlich müde an die Wärmeflasche schmiegen kann, um sich für den nächsten Tag zu rüsten. Er ist zuverlässig, pflichtbewusst und auf ihn ist immer Verlass. Er ist unabdingbar in dieser Welt. Eigentlich würde ja dieser eine Fuss reichen, nicht? Oder gleich zwei von ihnen. Zwillingsfüsse quasi. Fest im Leben. Schön, nicht?

Dein rechter Fuss hat sich da ganz anders entschieden. Gottseidank. Der hat ganz schöne Flausen zwischen den Zehen, aber hallo! Er trägt dich in die Wolken. Er lässt dich Dinge sehen, die der andere Fuss rücksichtslos zertrampeln würde. Er besitzt die Gabe, Richtungen einzuschlagen, die der andere Fuss niemals in Erwägung ziehen würde. Er versucht konstant, seinen Nachbarn zu überreden, seinen Träumen zu folgen. Manchmal wird er zu übermütig und stolpert jämmerlich über seine eigenen Füsse – wenn er denn welche hätte. Er stolpert, aber er träumt weiter und steht hoffnungsvoll wieder auf. Er geht den steinigen Weg und lässt den alltäglichen Fussweg hinter sich. Er trägt dich in eine Welt, in der Äusserlichkeiten keine Rolle spielen. Er trägt dich barfuss durch den Regen! Er plantscht mit dir im Winterfluss, rennt durch den Schnee, lackiert seine Nägel knallrot, überschreitet Grenzen, geht backstage und lässt seine Hüllen fallen. Er braucht keine Maske, keinen Alltag, keine Routine. Er ist. Er träumt. Er malt sich bunte Bilder, baut sich Luftschlösser und ist ein elender Chaot mit tonnenweise Schmutz unter den knallroten Nägeln, aber was soll’s? Er ist manchmal etwas unzuverlässig, aber er folgt seinem Herzen. Er betet. Er glaubt. Er wünscht. Er hat Angst. Er hat Mut. Er weiss nichts. Er kennt die Sitten dieser Gesellschaft nicht. Er will sie gar nicht kennen, denn er will einfach leben und Fuss sein!

Du hast also Alltag und Verrücktheit unter dir und das ist gut so. It’s all in the mix. Und falls du etwas stark zwischen rechts und links hin und her schwankst zwischendurch, don’t worry. Das trägt doch zu dem bei, was unter dem Strich der Rechnung steht:

LEBEN.

…über die eigenen Grenzen hinausgehen.

Was heisst das eigentlich, über seine eigenen Grenzen zu hüpfen, ein bisschen daran zu zerren und einmal über sich selbst hinauszuwachsen?

Wenn ich mir früher bewusst vorgenommen hatte, meine eigenen Grenzen mal wieder ein gutes Stück zu weiten und dehnen und überschreiten – und über das hinauszugehen, was ich bisher kannte – dann erwartete ich meist etwas GROSSES. Ich erwartete eine EINZIGE, EINMALIGE und WICHTIGE Tat von mir, die ALLES sprengen und „AH!“s und „OH!“s von allen Seiten zur Folge haben würde. Ich erwartete, dass ich etwas KOMPLETT UNERWARTETES und total Aussergewöhnliches tun würde, aus dem Nichts und ohne Vorwarnung und damit die Welt dermassen in STAUNEN versetzen würde, dass sie für einen kurzen Moment lang EHRFÜRCHTIG die Luft anhält und mir diesen einen Augenblick schenkt. Ich erwartete Menschen, die mir auf die Schultern klopfen und mich in den Himmel hinauf LOBEN würden, die sich um mich scharen und mir ZU FÜSSEN liegen würden. Ich erwartete von mir etwas, was mir ANERKENNUNG AUF LEBENSZEIT von aussen schenken würde. Aber Moment, wieso eigentlich durch eine Tat? Kann ich das nicht auch einfach so bekommen?

Jaja und dann passiert das, was immer passiert. Das Leben.

„Sehr geehrte Frau Gautschy,

Wir haben Ihr Gesuch um Erfüllung all Ihrer Erwartungen im Bezug auf Ihr Vorhaben „Dehnen der eigenen Grenzen“ erhalten, sowie den zweiten Brief mit der Anfrage um Anerkennung auf Lebenszeit. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass beide Anliegen unsere Kriterien bei Weitem nicht erfüllen und wir sie deshalb nach einer rekordverdächtig kurzen Beratschlagung einstimmig ablehnen müssen. Wir entschuldigen uns herzlich, keine besseren Neuigkeiten für Sie zu haben und wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft.

Freundliche Grüsse,
Sekretariat Ihrer Aussenwelt.

ps. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg auf Ihrem Weg ab von Ihrer Dummheit und Naivität und raten Ihnen, gleich mit beiden Füssen auf dem Boden der Realität zu landen und mal die Lebensschule zu besuchen. Mann, sind Sie doofl!!!“

Naja. Was es heute für mich bedeutet, meine Grenzen zu dehnen?

Wenn ich einen knallroten Schal zu einem knallgrünen Pullover trage – und dazu die unpassenden knallblauen Flipflops. Wenn ich das Glas Wasser, das ein paar Tage, ein paar Nächte und ein paar tote Mücken zu lange neben meinem Bett gestanden hat, nicht brav in den Schüttstein leere, sondern auf Risiko mit Schwung durch das offene Fenster schütte. Prost! Wenn ich extra Knoblauch esse und danach die Zähne nicht putze, obwohl ich weiss, dass ich nachher noch Menschen begegne. Wenn ich jemanden anrufe, ihm meine Wut ins Ohr schreie, die viel zu viel Zeit bei mir vertan hat, mich entgegen alter Gewohnheiten erst vier Tage später entschuldige, um dann zu merken, dass die Welt sich noch immer dreht – und dass es verdammt gut getan hat! Wenn ich meinen Job kündige, ohne zu wissen was als nächstes kommt und ein Jahr später merke, dass ich es überlebt habe. Und wie! Wenn ich das erste Mal eine Weinflasche selbst zu öffnen vermag und dabei innerlich vor Stolz fast platze.

Wenn ich Dinge einmal bewusst anders tue, dabei bemerke, dass ich sie toll oder abscheulich finde und Freude daran habe, das herauszufinden. Wenn ich freudig Neues an mich heranlasse, das ich mir gestern nicht zugetraut habe und bemerke dass ich es heute kann. Wenn ich freudig Neues an mich heranlasse, das ich mir gestern nicht zugetraut habe und kläglich daran scheitere. Wenn ich etwas Altes dreihundertmal innerlich loslassen muss, bis ich ihm wirklich endgültig und mit aller Wucht den Schuh gebe. Wenn ich merke, dass die Welt voller spannender Möglickeiten steckt und ich mich frei entscheiden kann, was als Nächstes kommt. Wenn ich heute an der Kreuzung links abbiege und morgen rechts und übermorgen geradeaus weitergehe. Wenn ich falle und wieder aufstehe. Wenn ich wieder falle und wieder aufstehe.

Wenn mein Heute anders aussieht als mein Gestern. Oft vermeintlich gleich. Ähnlich bunt. Aber neu.